Belegte Zunge: Was ist das und was können Sie dagegen tun?
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Belegte Zunge: Was ist das und was können Sie dagegen tun?

Die Zunge fühlt sich pelzig an, der Atem riecht unangenehm und ein Gefühl mangelnder Mundhygiene macht sich breit. Eine belegte Zunge ist ein unliebsamer Zeitgenosse. In den meisten Fällen liegen ihr harmlose Ursachen zugrunde, die Sie oftmals sogar selbst reduzieren können.

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Helvetic Care am 22.6.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Eine belegte Zunge ist in den meisten Fällen ein Hinweis auf mangelnde Mundhygiene oder das ungenügende Kauen der Nahrung.
  • Auf der Zunge sammeln sich kleinste Speisereste, Bakterien, tote Zellen und mehr an, aus denen ein Belag entsteht.
  • Ein sehr dünner, weisser Belag ist natürlich, gegen dicke oder verfärbte Ablagerungen sollte hingegen vorgegangen werden.
  • Es können gesundheitliche Probleme zugrunde liegen, beispielsweise im Magen-Darm-Trakt.
  • Wenn die mechanische Belastung der Zunge im Alter reduziert wird, kann das ebenfalls zu Belägen führen.

Belegte Zunge: Natürliches Phänomen oder Vorbote einer Erkrankung?

Eine belegte Zunge löst oftmals ein unangenehmes, pelziges Gefühl im Mund aus. Nicht selten gesellt sich Mundgeruch dazu. In der Regel ist der Zungenbelag harmlos und kann problemlos selbst reduziert werden. Oftmals ist er lediglich nahrungs- oder auch altersbedingt. In einigen Fällen kann eine belegte Zunge allerdings ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

Die Zunge: Aufgaben und Funktionen

Bevor es um den Belag geht, soll die Zunge selbst als wichtiger Muskel kurz beleuchtet werden. Aufgabe dieses Muskels ist es, Nahrung und Speichel im Mund zu bewegen und damit unter anderem das gründliche Kauen zu ermöglichen. Auch für das deutliche Sprechen ist die Zunge unabdingbar, denn sie ist ein wichtiges Hilfsmittel beim Formen gewisser Laute.
Der von einer Schleimhaut überzogene Muskel ist zudem mit Sinneszellen zur Wahrnehmung von Geschmacksrichtungen und Tastempfindungen ausgestattet. Dank der auf der Zunge ansässigen Papillaren ist der Mensch in der Lage, die Geschmacksrichtungen süss, sauer, bitter, salzig und umami wahrzunahmen.
Eine gesunde Zunge weist eine rosa bis rote Farbe auf. Dafür verantwortlich sind die zahlreichen Blutgefässe, über die die Zunge verfügt. Auf der Oberfläche des Zungenmuskels befindet sich meist eine sehr dünne, weisse Schicht – der normale Zungenbelag. Er setzt sich aus den Papillenspitzen, Schleim, alten Zellen, Speiseresten und Keimen zusammen.

Wenn sich zu viel Zungenbelag bildet

Dieser natürliche Belag wird durch das Essen und die Mundhygiene immer wieder entfernt und bildet sich neu. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Doch unter Umständen bildet sich deutlich mehr Belag. Woran das liegen kann, was der Zungenbelag bedeutet und was Sie dagegen tun können, wird im Folgenden genauer beleuchtet.
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Mögliche Ursachen für eine belegte Zunge

Schon seit hunderten wenn nicht gar tausenden von Jahren betrachtet man den Belag der Zunge, um gewisse Krankheitsbilder zu diagnostizieren. In den Heilsystemen verschiedenster Kulturen wird genau begutachtet, wo sich der Belag befindet, wie er gefärbt ist und welche Konsistenz er aufweist. Gleiches gilt auch für die westliche Medizin.
Wie bereits kurz angedeutet, ist eine geringe Menge Zungenbelag etwas ganz Natürliches. Ist dieser allerdings verstärkt, gilt es, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um den übermässigen Belag zu beseitigen. Die Ursachen könnten unterschiedlicher kaum sein. In den meisten Fällen sind lediglich Lebensmittelrückstände, die nicht gründlich entfernt wurden, der Auslöser.
Da sich auf der Zunge über den Tag zahlreiche dieser Rückstände sowie abgestorbene Zellen und mehr anlagern, müssen diese regelmässig beseitigt werden. Das geschieht in der Regel durch das Konsumieren von Lebensmitteln mit fester Konsistenz. Sie reiben leicht über die Zunge und helfen dabei, den Belag abzutragen.

Mangelnde Mundhygiene als Hauptursache für einen verstärkten Zungenbelag

Hinzu kommt die tägliche Mundhygiene. Wer diese vernachlässigt oder hauptsächlich sehr weiche oder gar flüssige Nahrung zu sich nimmt, bietet Bakterien den perfekten Nährboden und eine belegte Zunge entsteht. Es ist also kaum verwunderlich, dass es oftmals Personen sind, die ihre Nahrung schlecht kauen oder diese in flüssiger Form zu sich nehmen, die an einer belegten Zunge leiden.
Verstärkt betroffen sind ausserdem Personen höheren Alters. Mit zunehmendem Alter nimmt die mechanische Beanspruchung der Zunge meist ab. Der natürliche Abrieb durch die Nahrung verringert sich. Wer die Mundhygiene nicht entsprechend intensiviert, begünstigt die Entstehung eines verstärkten Zungenbelags.

Wichtig

Wenn der Zungenbelag mit weiteren Beschwerden wie einem Brennen oder Jucken einhergeht, kann er auch ernstere Ursachen haben und auf eine Krankheit hindeuten. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Zungenbelag: die Bedeutung der Farbe für die Diagnose

Wird die Farbe des Zungenbelags für eine Diagnose der Ursache herangezogen, ist erst einmal sicherzustellen, ob gewisse Lebensmittel verantwortlich für eine Verfärbung sein könnten. Um bewerten zu können, dass es der Belag selbst ist, der diese Färbung aufweist, sollte er möglichst direkt nach dem Aufstehen am Morgen betrachtet werden.

Verstärkter weisser Zungenbelag

Der normale, sehr dünne Belag auf der Zunge ist weiss gefärbt. Fällt dieser allerdings deutlich dicker aus als sonst, ist das oftmals ein Hinweis auf Magen-Darm-Probleme. Ist der Belag vor allem in der vorderen Mitte der Zunge ansässig, deutet das auf eine mögliche Magenverstimmung hin.
Einem weissem Belag, der sich eher an den Seiten ansiedelt, kann hingegen eine Störung der Bauchspeicheldrüse zugrunde liegen. Auch eine Hefepilz-Infektion im Mund kann einen dicken, weissen Belag hervorrufen. Dieser erstreckt sich dann oftmals über die gesamte Zunge und auch die Wangenschleimhäute.
Ist die Zunge nicht nur weiss belegt, sondern gleichzeitig gerötet und der Betroffene klagt über Fieber und Halsschmerzen, besteht vor allem bei Kindern die Möglichkeit einer Scharlacherkrankung. Die stark gerötete Zunge wird oftmals auch als Himbeer- oder Erdbeerzunge bezeichnet.

Gelber Zungenbelag

Eine leichte gelbe Verfärbung des Zungenbelags ist oftmals ein Anzeichen einer Pilzinfektion. Ein stärker ausgeprägter gelber Belag hingegen kann auf Erkrankungen der Leber oder der Galle hinweisen. Auch eine Gastritis ist ein möglicher Auslöser.
Bei starken Rauchern ist eine gelb belegte Zunge ebenfalls recht häufig zu beobachten. In der Regel ist dann lediglich das Rauchen selbst die Ursache und keine Erkrankung.

Brauner Zungenbelag

Eine gestörte Nieren- oder Darmtätigkeit kann sich unter anderem in Form eines braunen Zungenbelags äussern. Kommen Magenkrämpfe, Blähungen oder eine stark beschleunigte oder verlangsamte Verdauung hinzu, ist Letzteres sehr wahrscheinlich.

Schwarzer Zungenbelag

Ein schwarzer Belag auf der Zunge weist oftmals auf eine sogenannte schwarze Haarzunge hin. Dieses Phänomen ist allerdings sehr selten und tritt nur bei etwa drei Prozent der Weltbevölkerung auf. Wie genau die Haarzunge entsteht, ist nicht bekannt, allerdings weist sie keinen Krankheitswert auf. Oftmals verschwindet sie nach ein paar Wochen oder Monaten von selbst wieder.
Eine schwarz belegte Zunge kann allerdings auch ein Hinweis auf ein geschwächtes Immunsystem, ein Vorbote von Leukämie oder eine Begleiterscheinung einer Antibiotikabehandlung sein.

Wenn der Zungenmuskel selbst verfärbt ist

Wer die eigene Zunge im Spiegel genauer betrachtet und feststellt, dass es nicht der Belag ist, der eine Verfärbung aufweist, sondern die Zunge selbst, sollte einen Arzt aufsuchen. Eine weisslich oder grau verfärbte Zunge kann ein Hinweis auf Blutarmut bzw. eine Durchblutungsstörung sein. Eine bläuliche Färbung ist möglicherweise ein Anzeichen für eine Lungenerkrankung oder von Eisenmangel.

Zungenanomalien als Auslöser einer belegten Zunge

Weicht die Form oder die Beschaffenheit der Zunge ab, kann dies die Entstehung eines Belags fördern. Derartige Abweichungen können sein:
  • Landkartenzunge: Die Zunge verliert bestimmte Papillen und es entstehen weisse und rote Stellen auf deren Oberfläche.
  • Faltenzunge: Die Zunge weist erblich bedingt starke Falten auf, in denen sich Bakterien ansiedeln. Oftmals resultiert daraus ein verstärkter Belag.
  • Glossitis mediana rhombica: In der Mitte des Zungenrückens befindet sich eine angeborene papillenfreie Zone, in der die Zunge gerötet erscheint oder sich ein weisser Belag bildet.

Belegte Zunge: Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

In den meisten Fällen ist eine belegte Zunge ungefährlich und lediglich auf eine mangelnde Mundhygiene oder suboptimale Essgewohnheiten zurückzuführen. Ist der Belag recht dünn und weiss und verschwindet von selbst wieder, geht in der Regel kein gesundheitliches Risiko von ihm aus.
Ist das nicht der Fall, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Gleiches gilt, wenn der Zungenbelag stark ausgeprägt ist, Verfärbungen aufweist oder nur stellenweise auftritt. Der Allgemeinarzt ist zu Beginn die richtige Anlaufstelle. Bei Bedarf leitet er Sie an Spezialisten weiter, die eine krankhafte Ursache, sofern diese vorliegt, optimal behandeln können.

Ablauf der Untersuchung

Zunächst ist es allerdings der Hausarzt, der eine erste Diagnose bezüglich der belegten Zunge stellt. Da nur aufgrund des Belags selbst kein eindeutiger Auslöser festgestellt werden kann, stellt der Arzt eingangs verschiedene Fragen wie:
  • Seit wann tritt der Zungenbelag auf?
  • Hat er sich im Laufe der Zeit verändert?
  • Geht er mit Begleiterscheinungen wie einer schmerzenden oder juckenden Zunge oder anderen körperlichen Beschwerden einher?
  • Liegt ein verstärkter Nikotin- oder Alkoholkonsum vor?
  • Wie sieht die derzeitige Ernährung aus?
  • Wie steht es um die Mundhygiene?
Der Arzt untersucht die Zunge anschliessend nicht nur optisch, sondern nimmt unter Umständen auch einen Abstrich des Belags. Diesen begutachtet er unter einem Mikroskop genauer. Möglicherweise legt er auch eine Kultur an, die die Diagnosestellung unterstützt.
Liegen gewisse Vorerkrankungen oder Begleitsymptome vor, die auf eine Krankheit hinweisen, kommen weitere Untersuchungen infrage, wie beispielsweise eine Magenspiegelung oder eine Überprüfung des Blutbilds. Ist eine mangelnde Mundhygiene der Auslöser der belegten Zunge, führt der nächste Weg zum Zahnarzt.

Was Sie selbst gegen einen verstärkten Zungenbelag tun können

In den meisten Fällen liegen einer belegten Zunge keine ernsten Erkrankungen zugrunde. Dennoch wird sie von zahlreichen Betroffenen als störend empfunden. Das liegt einerseits am pelzigen Gefühl, das sich im Mund breit macht, und andererseits am Mundgeruch, der oftmals damit einhergeht.
Bei harmlosem Zungenbelag können Sie sich ganz einfach selbst helfen. Folgende Tipps helfen Ihnen, den Zungenbelag zu verringern:
  • die Mundhygiene intensivieren
  • das Essen gut kauen
  • Ölziehen
  • den Mund mit Aloe Vera spülen

Die Mundhygiene intensivieren

Der wohl wichtigste Schritt hierbei ist die Intensivierung der Mundhygiene. Mit speziellen Zungenreinigern kann der Belag problemlos entfernt werden. Hierfür kann auch eine weiche Zahnbürste zum Einsatz kommen. Wichtig ist dabei, behutsam vorzugehen, um die Zunge nicht zu reizen oder gar zu verletzen.

Das Essen gut kauen

Hilfreich ist es sogar schon, das Essen gründlich zu kauen. So erhöhen Sie den Abrieb auf der Zunge und der Belag wird Stück für Stück abgetragen.

Ölziehen

Eine bewährte Methode ist auch das sogenannte Ölziehen. Oftmals wird dafür Kokosöl genutzt, da es im Vergleich zu anderen Vertretern meist als recht angenehm im Geschmack empfunden wird. Gehen Sie beim Ölziehen wie folgt vor:
  1. Nehmen Sie einen Teelöffel Kokosöl in den Mund.
  2. Schieben Sie es mithilfe der Zunge hin und her.
  3. Dank der eigenen Körperwärme wird das Öl flüssig und gelangt selbst in schwer erreichbare Stellen.
  4. Das Öl sollte im Idealfall 15 Minuten lang im Mund verbleiben.
  5. Spucken Sie es anschliessend aus und schlucken Sie es keinesfalls herunter!
  6. Spülen Sie Ihren Mund danach mit Wasser aus.
Empfohlen wird das Ölziehen direkt nach dem Aufstehen, um schon am Morgen Ablagerungen und Bakterien möglichst gründlich zu entfernen.

Den Mund mit Aloe Vera spülen

Ein weiterer bewährter Helfer in Sachen Mundhygiene ist Aloe Vera. Sie bekämpft Keime und Bakterien, die zu einer verstärkt belegten Zunge führen können. Es gibt zahlreiche Produkte zur Mundhygiene, die Aloe Vera enthalten. Wer reinen Aloe Vera Saft als Mundspülung verwenden möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass dieser tatsächlich als Lebensmittel deklariert ist. Schliesslich können kleine Mengen davon verschluckt werden.

So sollte die optimale Mundhygiene zuhause aussehen:

  • Putzen Sie Ihre Zähne gründlich, mindestens zweimal täglich und etwa zwei bis drei Minuten.
  • Verwenden Sie Zahnseide für die Zahnzwischenräume (einmal täglich).
  • Renigen Sie Ihre Zunge mit einer Zungenbürste.
  • Verwenden Sie eine Mundspülung. Bewegen Sie diese etwa eine Minute lang im Mund hin und her und spucken Sie sie anschliessend aus.
Ältere Betroffene, die einen herausnehmbaren Zahnersatz tragen, sollten diesen selbstverständlich ebenfalls täglich gründlich reinigen. Auch hier können sich zahlreiche Verschmutzungen und Bakterien ansiedeln.

Fazit: Eine belegte Zunge kann harmlos sein, aber auch auf Erkrankungen hindeuten

Eine belegte Zunge ist ein ganz natürliches Phänomen, kann ab einem gewissen Punkt aber auch auf mangelnde Hygiene oder eine Erkrankung hinweisen. Minimale Speisereste, abgestorbene Hautzellen, Bakterien und mehr sammeln sich auf natürliche Weise auf der Zunge an. Sie werden als dünner, weisser Belag sichtbar. Durch die tägliche Mundhygiene und das Essen wird dieser regelmässig abgetragen.
Ist deutlich mehr Belag vorhanden als sonst oder liegen gar Verfärbungen vor, ist die Sache genauer zu betrachten. Die belegte Zunge könnte dann ein Hinweis auf eine Erkrankung oder körperliche Beschwerden sein. Beispielhaft dafür gelten Probleme im Magen-Darm-Trakt, in den Nieren oder Infektionen.
Mit steigendem Alter wird die Zunge mechanisch oftmals immer weniger beansprucht, was eine belegte Zunge ebenfalls begünstigen kann. Wurde der Auslöser festgestellt, kann der Belag in der Regel ohne grossen Aufwand behandelt werden.
Liegt eine Erkrankung zugrunde, verschwindet der Zungenbelag von selbst, sobald diese therapiert wird. Gleiches gilt, wenn keine gesundheitlichen Beschwerden vorliegen. Dann ist vor allem die Mundhygiene ein wichtiger Punkt, um den Belag zu reduzieren. Niemand muss dauerhaft damit leben und sich von einem unangenehmen Gefühl im Mund oder schlechtem Atem im Alltag ausbremsen lassen.

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