Verschwommen sehen: Was steckt dahinter?
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Verschwommen sehen: Was steckt dahinter?

Was bisher gestochen scharf erschien, ist plötzlich nicht mehr so leicht zu erkennen. Umrisse sind verschwommen und den Augen wird einiges abverlangt. Dem verschwommenen Sehen können verschiedenste Ursachen zugrunde liegen, die allerdings meist sehr gut zu behandeln sind.

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Helvetic Care am 6.9.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Verschwommenes Sehen kann dauerhaft, aber auch nur kurzfristig auftreten.
  • Zu einer vorübergehenden Einschränkung der Sehkraft kann es beispielsweise aufgrund von Stress oder von langem Starren auf einen Bildschirm kommen.
  • Möglicherweise resultiert die verschwommene Sicht auch aus bereits vorhandenen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes oder einer Schilddrüsenfehlfunktion.
  • Liegt eine dauerhafte Fehlsichtigkeit, wie die Alterssichtigkeit vor, kann diese mit Sehhilfen oder operativen Eingriffen behoben werden.
  • Es ist ratsam, einen Arzt zu konsultieren, um sicherzugehen, dass keine ernstzunehmende Erkrankung Auslöser des verschwommenen Sehens ist.

Verschwommen sehen: vorübergehende oder dauerhafte Sehstörung

Wer verschwommen sieht, leidet an einer Sehstörung, die die optische Wahrnehmung einschränkt. Sie kann vorübergehend oder aber von Dauer sein. Betroffene können Objekte nicht mehr scharf erkennen. Bei sehr starker Ausprägung der Sehstörung sind unter Umständen nur noch Formen und Umrisse erkennbar.
Das verschwommene Sehen kann sowohl beim Blick in die Ferne als auch beim Betrachten von Dingen in der Nähe auftreten.
Auch ist es durchaus möglich, dass die Einschränkung nur ein Auge betrifft. Handelt es sich nur um eine leichte einseitige Sehschwäche, kann diese oftmals von der uneingeschränkten Sehkraft des anderen Auges ausgeglichen werden. Ist das nicht der Fall, kommt es zu einer Fehlsichtigkeit.
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Verschwommen sehen: die Ursachen

Das verschwommene Sehen kann verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise eine Kurz- oder Weitsichtigkeit. Weitere mögliche Auslöser sind unter anderem:
  • Astigmatismus (Hornhautverkrümmung)
  • Alterssichtigkeit
  • trockene oder gereizte Augen (z.B. aufgrund von Kontaktlinsen)
  • LASIK- oder Katarakt-Operationen
  • vorübergehende körperliche oder psychische Beschwerden (z.B. Verspannungen, Stress)
  • diverse Grunderkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf- oder Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes )

Kurz- oder Weitsichtigkeit

Liegt eine Kurzsichtigkeit vor, finden die einfallenden Lichtstrahlen im Auge nicht in einem Punkt auf der Netzhaut zusammen, sondern bereits davor. Gegenstände in der Ferne erscheinen daher verschwommen.
Bei einer Weitsichtigkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Das einfallende Licht wird erst hinter der Netzhaut gebündelt und Gegenstände in der Nähe sind nur unscharf zu sehen.

Astigmatismus

Erscheinen die Bilder sowohl in der Ferne als auch in der Nähe verschwommen, kann ein Astigmatismus vorliegen. Dieser entsteht oftmals aufgrund einer unregelmässig geformten Hornhaut.

Alterssichtigkeit

Tritt das verschwommene Sehen mit steigendem Alter auf, kann eine Alterssichtigkeit (auch Altersweitsichtigkeit) schuld sein. Diese tritt ab dem Erreichen des 50. Lebensjahrs verstärkt auf und äussert sich durch unscharfes Sehen in der Nähe. So kommt es beispielsweise zu Problemen beim Lesen der Zeitung.

Gut zu wissen

Bei der Alterssichtigkeit handelt es sich um eine normale, altersbedingte Abnahme der Sehkraft. Gründe dafür sind, dass die Anzahl der Sinneszellen abnimmt. Auch wird die Linse mit den Jahren unbeweglicher. Demzufolge kann sie sich nicht mehr ausreichend krümmen, um Objekte in der Nähe scharf abzubilden.

Trockene oder gereizte Augen

Wer eine Sehschwäche mithilfe von Kontaktlinsen ausgleicht und trotzdem verschwommen sieht, leidet möglicherweise an gereizten Augen. Vor allem harte Kontaktlinsen können das äussere Auge irritieren und damit verschwommenes Sehen trotz Sehhilfe hervorrufen.

Zu wenig Tränenflüssigkeit

Unabdingbar für das Sehen scharfer Bilder ist eine glatte Augenoberfläche. Für deren Erhalt ist die Tränenflüssigkeit zuständig. Sie hält das Auge feucht, spült und desinfiziert es. Zudem versorgt sie die Hornhaut mit all den Nährstoffen, die sie benötigt.
Ist zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden, wird das Auge trocken und dessen Oberfläche rau. Demzufolge sind keine optimalen Bedingungen mehr für die Bündelung des einfallenden Lichts und die Bildverarbeitung mehr gegeben. Der Betroffene sieht verschwommen.

LASIK- oder Katarakt-Operationen

Fiel die Wahl nicht auf eine Sehhilfe, sondern auf eine Operation, können Folgeerscheinungen verschwommene Bilder hervorrufen. Das kann beispielsweise nach einer sogenannten LASIK-Operation der Fall sein. Bei diesem Eingriff wird die Hornhaut des Auges mit einem Laser geöffnet. Der Arzt trägt einen Teil der unteren Hornhautschicht ab, um deren Krümmungsgrad zu korrigieren.
Doch wie jede Operation birgt auch sie Risiken. So kann es zum Beispiel zu Vernarbungen oder einer Instabilität der Hornhaut sowie Infektionen kommen. Auch eine Fehlkorrektur ist möglich. All diese Punkte können verschwommenes Sehen hervorrufen.
Ähnliches kann nach einer Katarakt-Operation passieren. Dabei wird die gesamte Linse oder nur ihr Kern ausgetauscht und die katarakt-bedingte Trübung behoben. Allerdings stellt sich bei etwa 30 Prozent der Patienten ein sogenannter Nachstar ein, sie sehen also wieder trüb. Grund dafür ist Narbenbildung. Unter Umständen kann es auch zu einer Ablösung der Netzhaut kommen. Beides sind mögliche Auslöser von verschwommenem Sehen nach der Operation.

Gut zu wissen

Katarakt steht für «Grauer Star», eine voranschreitende Linsentrübung. Das Glaukom dagegen steht für «Grüner Star». Hier nimmt der Augeninnendruck zu.

Vorübergehende körperliche Beschwerden oder Stress

Nicht immer muss hinter dem verschwommenen Sehen eine dauerhafte Sehstörung stecken. Auch Verspannungen sind eine mögliche Ursache. Diese können schnell wieder behoben werden und Betroffene sehen wieder klar.
Die Augen sind nahezu dauerhaft in Bewegung. Die Lider öffnen und schliessen sich, die Augäpfel bewegen sich hin und her, die Pupillen weiten und verengen sich und die Linsen krümmen und strecken sich. All das ist nur dank der Augenmuskeln möglich.
Wie alle anderen Muskeln, über die der Mensch verfügt, können auch die Augenmuskeln verspannt sein, z.B. wenn die Augen lange Zeit starr auf einen Punkt gerichtet waren wie beim Fernsehen. Auch Verspannungen aus der Umgebung, zum Beispiel der Kiefer- oder Nackenmuskeln, können sich auf die Augenmuskulatur übertragen.

Stress als Ursache

Auch Stress ist ein möglicher Faktor. Wer seinem Körper keine Phasen der Entspannung und Erholung bietet, läuft Gefahr, dass es zu Fehlfunktionen kommt. Diese äussern sich unter Umständen in Form von verschwommenem Sehen. Nicht selten geht Stress auch mit den bereits erwähnten Verspannungen einher.

Verschwommenes Sehen in Zusammenhang mit Grunderkrankungen

Liegt Diabetes vor und der Blutzucker ist über einen längeren Zeitraum nicht richtig eingestellt, kann es zu einer sogenannten diabetischen Retinopathie kommen. Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Netzhaut.
Aufgrund des erhöhten Zuckergehalts im Blut können Gefässschäden auftreten. Die Gefässe der Netzhaut sind besonders fein, weshalb sie selbst sowie die dort ansässigen Blutgefässe deformiert werden können. Es entstehen also Anomalien, die oftmals lange Zeit symptomlos und damit unerkannt bleiben.
Später kann es allerdings zu einer Verschlechterung des Sehvermögens und in sehr schweren Fällen sogar zu einer Erblindung kommen. Deshalb ist es für Diabetiker umso wichtiger, regelmässig augenärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen.

Schilddrüsenerkrankungen als Ursache

Neben Diabetes sind im Zusammenhang mit verschwommenem Sehen auch Schilddrüsenerkrankungen zu erwähnen. Die Schilddrüsenhormone regulieren zahlreiche Körperfunktionen. Liegt eine Über- oder Unterfunktion vor, kann der Stoffwechsel beeinträchtigt werden, was unter Umständen zu verschwommenem Sehen führt.
Eine besondere Form der Schilddrüsenüberfunktion ist Morbus Basedow. Damit kann ein Exophthalmus einhergehen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein übermässig austretender Augapfel aus der Augenhöhle. Dieser Sachverhalt schränkt die Augenbeweglichkeit und damit in einigen Fällen auch das Sehvermögen ein.

Wichtig

Tritt das verschwommene Sehen ganz plötzlich, eventuell gemeinsam mit Doppelsehen auf, ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren. Es kann ein medizinischer Notfall wie ein Schlaganfall oder eine Hirnblutung vorliegen.

Verschwommenes Sehen und zusätzliche Beschwerden

Wer nicht mehr scharf sehen kann, wird nicht selten noch von weiteren Beschwerden geplagt. Dazu gehören zum Beispiel:
  • Augenschmerzen
  • Augenflimmern
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel

Augenschmerzen

Wie bereits erwähnt sind die Augenmuskeln besonders gefordert, wenn nur noch verschwommene Bilder wahrgenommen werden. Durch erhöhte Aktivität können die Muskeln die Sehstörung bis zu einem gewissen Punkt ausgleichen. Diese starke Anstrengung führt möglicherweise zu schmerzenden Augen.
Ursache für die Schmerzen können aber auch Bindehautentzündungen, die mit verschwommenem Sehen einhergehen, sein. Ist der Schmerz bei Bewegung hinter dem Augapfel zu lokalisieren und die Sehkraft schwindet immer weiter, kann das ein erstes Symptom einer Multiplen Sklerose sein. In diesem Fall ist auf schnellstem Weg ein Arzt zu konsultieren.

Augenflimmern

Tritt das verschwommene Sehen in Kombination mit einem Augenflimmern auf, ist das möglicherweise ein Anzeichen auf Probleme bezüglich der Netzhaut. Ist diese beispielsweise leicht angeschwollen oder beginnt sogar, sich abzulösen, hat das Auswirkungen auf den Sehnerv. Es kommt zu weiteren Einschränkungen des Sehvermögens, die als Flimmern wahrnehmbar sind. Betroffene beschreiben es oftmals als Russregen oder immer wiederkehrende kurze Lichtblitze.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen können nicht nur eine Begleiterscheinung von verschwommenem Sehen, sondern auch eine Ursache sein. So können beispielsweise Erschöpfungskopfschmerzen sowie Migräneattacken zu einer vorübergehenden Einschränkung des Sehvermögens führen.
Andersherum können Kopfschmerzen aber auch durch verschwommenes Sehen hervorgerufen werden. Um die eingeschränkte Sehkraft auszugleichen, sind die Augenmuskeln ständig angespannt. Diese übermässige Anspannung resultiert häufig in Kopfschmerzen.

Schwindel

Das Sehvermögen ist ein wichtiger Faktor in Sachen Orientierung. Ist es eingeschränkt, gilt das gleiche auch für den Orientierungssinn. Das wiederum führt oftmals zu Schwindel. Grund dafür ist, dass weniger visuelle Informationen aufgenommen und zum Gehirn weitergeleitet werden. Es fehlen also wichtige Daten bezüglich der Umgebung und der eigenen Position im Raum.
Auch beim Schwindel gilt: Er kann Begleiterscheinung und Ursache zugleich sein. Kommt es zu einem Schwindelanfall, sind verschiedene Körperfunktionen eingeschränkt, so auch die Sehkraft. Er sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden, denn er kann unter Umständen auf eine Durchblutungsstörung im Gehirn hinweisen.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Tritt das verschwommene Sehen beispielsweise durch Stress, langes Schauen auf einen Bildschirm oder nach körperlicher Anstrengung auf und verschwindet wieder, muss in der Regel kein Arzt aufgesucht werden. Anders ist es, wenn die Sehschwäche bestehen bleibt. Ein Augenarzt kann dann untersuchen, ob zum Beispiel eine Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeit vorliegt, die einer Behandlung bedarf.
Gleiches gilt, wenn keine Ursache für das verschwommene Sehen feststellbar ist. Der Weg sollte dann erst einmal zum Allgemeinmediziner führen. Dieser weiss genau über Ihren aktuellen Gesundheitszustand Bescheid und kann prüfen, ob gewisse Erkrankungen Auslöser sind.

Verschwommenes Sehen: die Diagnose

Die Diagnose beim Augenarzt beginnt mit einer Anamnese. Der Arzt stellt dem Patienten Fragen bezüglich seines aktuellen Befindens. Er spricht mit ihm über Beschwerden, vorhandene Vorerkrankungen und mögliche Risikofaktoren.
Es schliesst sich eine Untersuchung an, in der die Sehschärfe gemessen wird. Meist kommt hierfür eine Sehtafel zum Einsatz. Darauf sind Zahlen, Buchstaben oder Symbole in verschiedenen Grössen abgebildet, die der Patient nacheinander laut vorliest. Zudem prüft der Arzt mithilfe einer speziellen Leuchte und einer Lupe, ob die Augen optische Auffälligkeiten vorweisen.
Hinzu kommen unter Umständen eine Messung des Augeninnendrucks und eine Untersuchung der Netzhaut und des Sehnervs. Welche genauen Verfahren angewendet werden, hängt davon ab, welche möglichen Ursachen für das verschwommene Sehen vorliegen. So kann der Arzt beispielsweise auch eine Messung des Blutzuckerspiegels veranlassen, wenn die Möglichkeit auf Diabetes als Auslöser besteht.

Die Therapie

Um das verschwommene Sehen nachhaltig zu behandeln, muss die Ursache behoben werden. Handelt es sich dabei um eine Fehlsichtigkeit, kann diese ohne grosse Umstände mithilfe einer Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Auch entsprechende Operationen mittels Laser sind möglich. Bei Netzhautablösungen können ebenfalls Laser zum Einsatz kommen und die Sehkraft wieder verbessern.
Ist das verschwommene Sehen krankheitsbedingt und entsteht beispielsweise aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Diabetes, ist eine fachgerechte Behandlung eben dieser Grunderkrankungen massgebend. Nur dann kann auch die damit einhergehende Einschränkung des Sehvermögens aufgehoben werden.

Gut zu wissen

In einigen Fällen ist auch eine Selbsthilfe möglich. Stressreduzierende Massnahmen wie gezielte Entspannungsübungen oder Massagen und Sport, um Verspannungen zu lösen, schaffen auch bei Sehproblemen Abhilfe. Im Vorfeld ist allerdings zu klären, ob keine anderen Ursachen vorliegen, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen.

Fazit: Verschwommenes Sehen hat viele Ursachen

Wer verschwommen sieht, nimmt Gegenstände in der Ferne, in der Nähe oder auch beides nicht mehr so scharf wie gewohnt wahr. Es gibt zahlreiche mögliche Gründe. So können beispielsweise eine Alterssichtigkeit oder Kurz- bzw. Weitsichtigkeit vorliegen. Möglicherweise tritt die Sehschwäche auch stressbedingt oder nach Anstrengung auf und ist somit nur vorübergehend.
Allerdings können dem verschwommenen Sehen auch Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfehlfunktionen zugrunde liegen. Besteht Verdacht darauf oder die Probleme treten ohne klar ersichtliche Ursache auf, sollte der Weg zum Arzt führen.
Die Ursachen können dann fachgerecht behandelt werden und die verschwommene Sicht gehört der Vergangenheit an. Es muss sich also niemand von einer Fehlsichtigkeit, egal ob vorübergehend oder dauerhaft, einschränken lassen, sofern sie entsprechend behandelt wird.

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