Parodontose: Was steckt dahinter?
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Parodontose: Was steckt dahinter?

Parodontose ist älter als der Mensch selbst. Sogar Tiere können daran erkranken. Die bakterielle Zahnfleischentzündung kann ein Zeichen der Zeit, das Resultat einer mangelnden Zahnhygiene oder erblich bedingt sein. Doch niemand ist ihr hilflos ausgeliefert.

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Helvetic Care am 22.6.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Parodontose ist der umgangssprachliche Begriff für Parodontitis.
  • Parodontose ist eine Zahnfleischentzündung, die durch übermässige Bakterienansammlungen ausgelöst wird.
  • Funde zeigen, dass die Krankheit den Menschen vermutlich schon seit seiner Entstehung begleitet.
  • Zahnfleischbluten, schmerzempfindliche Zähne und Mundgeruch gehören zu den ersten Anzeichen.
  • Je früher die Symptome von einem Zahnarzt begutachtet werden, desto besser kann die Parodontose behandelt werden.
  • Zu den wichtigsten präventiven Massnahmen gehören eine umfassende Zahnhygiene, regelmässige Kontrollbesuche beim Zahnarzt sowie professionelle Zahnreinigungen.

Parodontose: viele Betroffene und unterschiedliche Ausprägungen

Eine Parodontose (medizinisch korrekt Parodontitis) ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnfleisches. Etwa 98 Prozent aller Personen ab 50 Jahren leiden an Parodontose. Diese Zahl verdeutlicht, dass Parodontose eine Krankheit ist, die mit zunehmendem Alter immer häufiger auftritt. Aber warum ist das so?
Parodontose begleitet den Menschen und Säugetiere im Allgemeinen schon seit Jahrtausenden. Selbst die Gletschermumie Ötzi litt zu Lebzeiten darunter. Er wurde Forschungen zufolge etwa 45 Jahre alt. Das galt zu seiner Zeit als hohes Alter.
Als vor etwa 125 Millionen Jahren die ersten Säugetiere auf der Erde wandelten, wurden diese nur wenige Jahre alt. Das macht sich bis heute unter anderem an den Zähnen bemerkbar. Historische Schädelfunde beweisen, dass Parodontose seit eh und je ein Zeichen der Zeit ist.
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Was ist eine Parodontose und welche Formen gibt es?

Bei Parodontose handelt es sich um eine Entzündungskrankheit im Zahnfleisch. Sie wird durch Bakterien hervorgerufen, die sich am Zahnfleischrand ansammeln. Diese Bakterien gelangen tagtäglich durch das normale Essen und Trinken in den Mundraum und lagern sich als Plaque an. Wird dieser nicht regelmässig gründlich entfernt, kann es zu Infektionen im Zahnfleisch kommen.
Im weiteren Verlauf kann der Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen werden. Parodontose ist eine chronische Erkrankung, die zyklisch voranschreitet. Eine gründliche und regelmässig durchgeführte Prophylaxe und auch die Nachsorge sind deshalb unabdingbar, um die damit einhergehenden Beschwerden möglichst gering zu halten.
Grundsätzlich werden zwei Formen der Parodontose unterschieden, welche jeweils verschiedene Auslöser haben und deshalb auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Die beiden Formen sind:
  • die apikale Parodontose
  • die marginale Parodontose

Die apikale Parodontose

Die apikale Parodontose wird durch einen absterbenden oder bereits toten Zahn ausgelöst, der eine bakterielle Infektion an der Spitze der Zahnwurzel aufweist. Verursacht wird diese Infektion oftmals durch tiefsitzende Karies. Wird die apikale Parodontose nicht zeitnah behandelt, kann sie zum Abbau des Kieferknochens führen.

Die marginale Parodontose

Die marginale Parodontose tritt deutlich häufiger auf. Ausgelöst wird sie durch bakterielle Zahnbeläge, die oftmals das Resultat einer mangelnden Zahnhygiene sind. Es entstehen häufig nur leichte Zahnfleischentzündungen, die, wenn sie unbehandelt bleiben, zum dauerhaften Begleiter werden und erheblichen Schaden anrichten können. Die marginale Parodontose gilt als die wohl aggressivste Entzündungsform, die das Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat erleiden können.

Wichtig

Parodontose ist eine Infektionskrankheit und ist somit ansteckend. Die Übertragung erfolgt über den Speichel. Die krankheitserregen Bakterien können auf Mitmenschen jeden Alters übergehen. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig einen Ausbruch einer Parodontose. Entscheidend ist jeweils die Stärke des Immunsystems.

Wie genau entsteht eine Parodontose?

Wie bereits erwähnt, sind in der Regel Bakterien, die sich an der Zahnoberfläche und an den Zahnfleischrändern festsetzen, die Auslöser einer Parodontose. Für gewöhnlich wird ein Grossteil dieser Bakterien dank einer umfassenden Zahnhygiene beseitigt. Auch das Immunsystem hilft durch Antikörper dabei, die Bakterien abzutöten.
Ist das Immunsystem allerdings geschwächt oder es kommt zu einer deutlich erhöhten Menge von Bakterien, ist das unter Umständen nicht mehr ausreichend. Es entsteht zunächst eine Zahnfleischentzündung, auch Gingivitis genannt. Das Zahnfleisch schwillt an und neigt zu Blutungen, beispielsweise beim Zähneputzen. Geht diese Entzündung auf das Zahnbett über, ist von einer Parodontose die Rede.

Wenn Zähne ihren Halt verlieren

Das Zahnfleisch geht zurück und löst sich an den betroffenen Stellen von den Zähnen. Infolgedessen entstehen Zahnfleischtaschen. In diesen Taschen können sich Bakterien und auch Blutreste ansammeln, die die Entzündung vorantreiben. Die Bakterien können sich ihren Weg ganz leicht von den Taschen zur Zahnwurzel, dem Zahnhalteapparat und sogar zum Kieferknochen bahnen.
Die Folge kann ein Knochenschwund im Zahnbett sein. Je weiter dieser Prozess voranschreitet, desto höher wird die Gefahr, dass der Zahn an Halt verliert und ausfällt.

Symptome einer Parodontose

Erste Anzeichen einer Parodontose sind unter anderem Zahnfleischbluten und Mundgeruch. Hinzu kommt eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Zähne, beispielsweise beim Verzehr von heissen oder kalten Speisen und Getränken. Ist die Krankheit schon weiter fortgeschritten, können sich zurückgehendes Zahnfleisch und freiliegende Zahnhälse zeigen. In sehr schweren Fällen können die Zähne sogar leicht zu wackeln beginnen.
Wenn Sie feststellen wollen, ob Sie von einer Parodontose betroffen sind, hilft Ihnen die folgende Checkliste mit den wichtigsten Fragen:

Checkliste Parodontose

  • Sind Ihre Zähne in letzter Zeit wärme- und kälteempfindlich geworden?
  • Beginnt Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen immer wieder zu bluten?
  • Leiden Sie an zunehmendem Mundgeruch?
  • Haben Sie das Gefühl, Ihr Immunsystem ist besonders belastet, obwohl Sie augenscheinlich gesund sind?
  • Geht Ihr Zahnfleisch langsam zurück?
Beantworten Sie diese Fragen oder einen Teil mit «ja», sollte unbedingt ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Diagnose

Um eine Parodontose festzustellen, prüft der Zahnarzt oder die Zahnärztin zunächst, ob sich Ablagerungen auf den Zähnen befinden, und kontrolliert, ob sich bereits Zahnfleischtaschen gebildet haben. Ist das der Fall, ermittelt er oder sie deren Tiefe. Diese Messungen dauern nur wenige Minuten und sind in der Regel mit keinerlei Schmerzen verbunden.

Früherkennung dank PSI-Screening

Dank des sogenannten parodontalen Screening Index, kurz PSI, ist eine frühzeitige Erkennung einer Parodontose möglich. Im Rahmen dieser Vorsorgeuntersuchung kommt eine Spezialsonde zum Einsatz. Damit fährt der Zahnarzt leicht über das Zahnfleisch und prüft, ob es beginnt, zu bluten.
Parodontose tritt nicht immer im gesamten Mundraum, sondern möglicherweise auch nur stellenweise auf. Deshalb wird das Gebiss zur Untersuchung in sechs Bereiche eingeteilt. Diese werden nacheinander geprüft. Das Ergebnis dokumentiert der Zahnarzt in Form des sogenannten PSI-Codes. Hier gibt es eine Skala von null bis vier:

PSI-Code zur Feststellung einer Parodontose

Code null: Der Patient ist gesund.
Code eins: Es gibt erste Hinweise auf eine Zahnfleischentzündung, denn das Zahnfleisch beginnt bei Berührung mit der Sonde zu bluten.
Code zwei: Es gibt mehrere Hinweise auf Parodontose. Das Zahnfleisch blutet beim Sondieren und es ist Zahnstein vorhanden.
Code drei: Zahnfleischbluten, Zahnstein und tiefe Zahnfleischtaschen weisen auf eine mittelschwere Parodontose hin.
Code vier: Die Beschwerden sind so stark ausgeprägt, dass von einer schweren Parodontose auszugehen ist.

Röntgenaufnahmen zur Bestätigung der Diagnose

Zeigen sich Hinweise auf eine Zahnfleischentzündung, kann der Zahnarzt seine Diagnose mithilfe von Röntgenbildern untermauern. Sind bereits Zahnfleischtaschen vorhanden, in denen sich Blutreste, Verschmutzungen und mehr angesammelt haben, entsteht unterhalb des Zahnfleischrands oftmals Karies. Mediziner sprechen hierbei von sogenannten Konkrementen, die auf den Röntgenbildern ersichtlich werden. Oftmals sehen sie wie kleine Dornen aus.

Überprüfung der Zahnbeweglichkeit

Bei fortgeschrittener Parodontose kann zudem die Zahnbeweglichkeit getestet werden. Dazu prüft der Zahnarzt mit einer Pinzette oder auch mit dem Finger, wie stark sich die betroffenen Zähne bewegen lassen. Gemessen wird das Ganze mit einem Periotest-Gerät.

Behandlung

In der Regel wird eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Bleiben beide Behandlungsmethoden erfolglos, muss der Zahn unter Umständen entfernt werden, um den Kiefer vor Schäden zu bewahren.
Eine zahnärztliche Behandlung der Parodontose erfolgt in der Regel in drei Schritten:
  • Vorbehandlung
  • systematische Parodontosetherapie
  • Nachbehandlung

Vorbehandlung

Im Rahmen der Vorbehandlung wird unter anderem die Zahnhygiene thematisiert. Dem Patienten wird genau aufgezeigt, wie eine optimale Zahn- und Mundpflege aussehen sollte, damit bakterielle Zahnbeläge bestmöglich selbst entfernt werden können. Ausserdem werden Beläge, Karies und weitere Störfaktoren wie unebene Ränder von Zahnfüllungen entfernt.
Ist die Parodontose schon fortgeschritten und hat die Zähne stark beschädigt, sodass diese nicht mehr erhaltungswürdig sind, werden sie gezogen. Auch Wurzelkanäle werden bei Bedarf gefüllt.

Systematische Parodontosetherapie

Dann kann die systematische Parodontosetherapie beginnen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine sehr umfassende, professionelle Zahnreinigung. Die zahnmedizinische Fachkraft entfernt die Bakterien und widmet sich dabei den Zahnfleischtaschen. Unter Umständen kommt eine Lasertherapie zum Einsatz. Das Licht des Lasers erzeugt Hitze und zerstört einen Grossteil der Bakterien in den Taschen.
Ist das Zahnfleisch deutlich zurückgegangen und Zahnhälse liegen frei, sind mikrochirurgische Eingriffe möglich, um diese wieder zu bedecken. Dazu wird eigenes Gewebe, z. B. vom Gaumen, herangezogen. Damit werden Schmerzen aufgrund von heissen oder kalten Speisen und Getränken reduziert.

Emdogain zur Stabilisierung der Zähne

Wurde der Zahnhalteapparat in Mitleidenschaft gezogen, kann ein Produkt namens Emdogain zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um ein aus Proteinen bestehendes Material, das beispielswese auf die Zahnwurzeloberfläche aufgetragen werden kann. Der Körper resorbiert es und das Zahnbett wird stabilisiert. Damit wird ein Zahnausfall verhindert.
Mussten bereits Zähne entfernt werden, kann ein Zahnersatz oder ein Implantat eingesetzt werden. Im Vorfeld muss die Parodontose aber umfassend behandelt worden sein, um später auftretende Komplikationen zu vermeiden.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung umfasst regelmässige Kontrollbesuche beim Zahnarzt. Zähne und Zahnfleisch werden genau begutachtet und Erfolge oder Verschlechterungen dokumentiert. Auch die Tiefe der Zahnfleischtaschen wird gemessen.

Wichtig

Parodontose kann sich negativ auf die Allgemeingesundheit auswirken. Die erhöhte Menge an Bakterien, die sich bei einer Parodontose im Mund befindet, stellt das Immunsystem auf eine Probe. Bleibt die Entzündung unbehandelt, muss es dauerhaft dagegen ankämpfen und wird unter Umständen geschwächt.
Hinzu kommt, dass die Bakterien und auch die Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf gelangen können und sich so im ganzen Körper ausbreiten. So können sie beispielsweise Arterienverkalkungen begünstigen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen.

So können Sie einer Parodontose vorbeugen

Damit es gar nicht erst zu einer Parodontose kommt, kann auf verschiedene Weisen vorgebeugt werden. Die wohl einfachste präventive Massnahme ist eine sorgfältige Mundhygiene. Dazu gehört nicht nur das Zähneputzen, das mindestens zweimal täglich erfolgen sollte. Hinzu kommt die sorgfältige Anwendung von Zahnseide, um auch die Zahnzwischenräume gründlich zu reinigen. Interdentalbürstchen können ebenfalls zum Einsatz kommen.

Guter Tipp

Warten Sie nach dem Essen mindestens 30 Minuten, bevor Sie zur Zahnbürste greifen. So schonen Sie Ihren Zahnschmelz. Zeigen sich bereits erste Anzeichen einer Parodontose, sollten sanfte Zahncremes zum Einsatz kommen. Sie enthalten nur wenige Putzkörper und schonen das Zahnfleisch sowie eventuell bereits freiliegende Zahnhälse. Ein übereifriges Zähneputzen kann den Zahnschmelz übrigens ebenfalls zerstören.
Unerlässlich sind zudem regelmässige Kontrolltermine beim Zahnarzt. Mindestens einmal im Jahr sollte ein Termin vereinbart werden, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Je früher der Zahnarzt erste Anzeichen einer Parodontose erkennt, desto besser kann diese behandelt werden.
Leichte Zahnfleischentzündungen gehen oftmals schon mithilfe einfacher Mittel zurück. Einmal im Jahr sollte eine professionelle Zahnreinigung erfolgen, um Ablagerungen zu entfernen, die mit Zahnbürste und Zahnseide nicht erreicht werden können.

Rauchen und Diabetes als Risikofaktoren

Rauchen gehört zu den grössten Risikofaktoren einer Parodontose. Schuld daran ist das in den Zigaretten enthaltene Nikotin. Es kann die Gefässe verengen und die Durchblutung einschränken. Ausserdem kann es sich seinen Weg in das Bindegewebe bahnen und dort die Zellaktivität und damit die -regeneration behindern. Ein weiterer wichtiger Punkt der Prävention ist also die Rauchentwöhnung.
Personen, die an Diabetes leiden, sollten besonders Acht auf ihre Zahngesundheit geben, denn die Krankheit lässt die Gefahr, an Parodontose zu erkranken, ansteigen. Die Ursache ist oftmals bei den verschriebenen Medikamenten zu finden. Einige Präparate können zu Mundtrockenheit führen und damit das Parodontoserisiko erhöhen.

Parodontose durch erbliche Veranlagung

Die entzündliche Krankheit kann aufgrund erblicher Veranlagung auftreten und das trotz vorbildlicher Mundhygiene. Der Verlauf ist dann oftmals aggressiver und führt häufiger zu einem Knochenabbau als bei Patienten, bei denen keine entsprechenden Erbanlagen vorliegen. Dann sind eine sehr engmaschige medizinische Kontrolle sowie eine intensive Prophylaxe notwendig.

Fazit: Eine Parodontose lässt sich gut behandeln

Bei ersten Anzeichen einer Parodontose ist schnelles Handeln gefragt. Ihr Zahnfleisch beginnt häufiger zu bluten als früher, Sie haben Mundgeruch oder schmerzempfindliche Zähne? Dann können das Symptome einer Parodontose sein. Wer sich früh genug medizinische Hilfe holt, erspart sich unangenehme Komplikationen wie Zahnausfall.
Dank umfassenden Zahnreinigungen, Laserbehandlungen und mehr können Bakterien effektiv abgetötet werden. Mussten Zähne entfernt werden, können diese unter anderem mit Implantaten ersetzt werden. Parodontose ist also kein Zustand sein, mit dem man sich im Alter zufriedengeben muss. Dank einer rechtzeitig einsetzenden, umfassenden Behandlung kann jeder Patient seine alte Lebensqualität zurückerlangen.

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