Wenn der Grossvater zu viel trinkt
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Wenn der Grossvater zu viel trinkt

Jede siebte Person zwischen 65 und 74 Jahren in der Schweiz trinkt chronisch zu viel Alkohol. So auch Hans-Peter Metzler, Ehemann, Vater, Grossvater. Er verheimlicht seine Sucht. Das Grosseltern-Magazin widmet sich im folgenden Dossier dem Tabu-Thema Alkoholsucht.

Illustration: Andreas GefeIllustration: Andreas Gefe
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Helvetic Care am 26.8.2021

Hans-Peter Metzler* der Trinker, der nur in kurzen Sätzen spricht, steht bei sich in der Küche eines Mehrfamilienhauses am Stadtrand von Bern, es ist ein matschiger, lebensmüder Samstagnachmittag, wir sind allein. Er setzt eine Kanne Wasser auf, zupft abwechselnd am Hemd, am Gilet oder an den Hosen, er holt eine Flasche Grappa aus dem Schrank, richtet zwei Gläser fein ordentlich vor uns auf dem Tisch aus und fragt: «Oder doch direkt in den Kaffee?»
Morgens um halb zehn und nach zwei Kaffee Lutz kehrt Ruhe ein in seinem Schädel, sagt Metzler. Eine Stunde später sei alles wie in Watte und gut. Dann ist Mittag, ein Glas Rotwein und einen Schnaps, die Nachrichten, ein Schläfchen, später geht er noch raus zum Einkaufen.
Montag und Donnerstag trifft er sich mit Roland, einem Schwätzer vor dem Herrn und einem massigen Biertrinker, zu einem Jass, derweil trinkt Metzler seinen Wein, aber zügig. Zum Znacht gibt es Mineral mit Gas, doch später, wenn seine Frau Hildegard, geborene Schmitz aus Augsburg, zu Bett geht, holt er noch eine Flasche heraus. So sei das plus minus, rechnet der 69-Jährige vor: pro Tag 3 Schnapskaffee, 1 Ballon Weissen und fast 1 Flasche Rotwein. «Bon, manchmal trinke ich das Doppelte, plus Gin.»

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