Drehschwindel: Wenn die Welt plötzlich ins Schwanken gerät
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Drehschwindel: Wenn die Welt plötzlich ins Schwanken gerät

Er fühlt sich an wie eine wilde Fahrt im Karussell oder ein freier Fall nach unten mit dem Lift: der Drehschwindel. Dabei handelt es sich um ein Symptom, das zahlreiche Auslöser haben kann. Dennoch kann diese Art des Schwindels sehr gut behandelt werden.

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Helvetic Care am 22.6.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Drehschwindel fühlt sich an wie eine Fahrt in einem Karussell oder der Fall nach unten in einem Fahrstuhl.
  • Es handelt sich dabei um ein Symptom, das durch verschiedene Beschwerden und Krankheitsbilder hervorgerufen werden kann.
  • Der Schwindel kann mit verschiedenen Begleiterscheinungen daherkommen, wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Sehstörungen.
  • In der Regel verschwindet der Drehschwindel nach wenigen Minuten wieder, er kann aber auch mehrere Tage anhalten.
  • Vor allem bei Betroffenen höheren Alters kann diese Art des Schwindels ein Vorbote eines Schlaganfalls sein, weshalb eine ärztliche Untersuchung dann besonders wichtig ist.

Drehschwindel: Folge eines gestörten Gleichgewichtssinns

Und plötzlich beginnt sich alles zu drehen. Das Leben fühlt sich einen Moment lang wie eine Karussellfahrt an, obwohl man doch an einem Ort steht oder gar sitzt. Man spricht hierbei vom Drehschwindel.
Gründe für einen Schwindelanfall, egal welcher Art, sind Probleme mit dem Gleichgewicht. Damit dieses nicht verloren geht, ist der Körper auf die einwandfreie Funktionsweise seiner Sinne angewiesen.

Das Gleichgewichtsorgan

Der Mensch ist sich in der Regel stets darüber im Klaren, wo im Raum er sich gerade befindet und welche Bewegungen er ausführt. Die Nerven leiten die entsprechenden Informationen von den verschiedenen Sinnesorganen an das Gehirn weiter. Von besonderer Bedeutung ist das Gleichgewichtsorgan, auch Vestibularapparat genannt.
Dieser verfügt über insgesamt drei Bogengänge, die jeweils die Bewegung in eine Richtung im Raum wahrnehmen und Entfernungen und Beschleunigungen registrieren. Alle Bogengänge sind mit einer Flüssigkeit gefüllt. Sobald der Kopf gleichmässig gedreht wird, folgt die Flüssigkeit mit einer gewissen Verzögerung in gleicher Geschwindigkeit. Kommen Kopf und Flüssigkeit zum Stehen, werden auch keine Signale mehr an das Gehirn weitergeleitet.
Ausserdem im Gleichgewichtsorgan vorhanden sind kleine Sinneshärchen. Diese werden mit den ebenfalls dort ansässigen Kristallen in eine gewisse Richtung bewegt, sobald sich der Kopf neigt. Steht der Mensch beispielsweise auf dem Kopf und die Sinneshaare und Kristalle sinken nach unten ab, wird der Gleichgewichtssinn getrübt. Gleiches gilt, wenn sich die Steine lösen und in die Bogengänge gelangen. Dieser Mechanismus registriert Bewegungsvorgänge.
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Das Auge: ebenfalls wichtig für das Gleichgewicht

Eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtssinns spielt natürlich auch das Auge. Sicher ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es schwieriger ist, das Gleichgewicht zu halten, wenn es dunkel ist oder Sie Ihre Augen geschlossen haben. Das ist keineswegs ein Zufall. Das Sehvermögen ist tatsächlich ein sehr wichtiger Stabilisator.
Das zeigt sich beispielsweise schon dadurch, dass sich der Mensch, wenn er in einer erschwerten Situation das Gleichgewicht halten muss, dazu neigt, seinen Blick auf einen nahen, feststehenden Gegenstand zu richten. Wichtig ist vor allem auch die Vorhersehbarkeit, die der Sehsinn dem Menschen gewährt.
Der Körper kann sich besser auf eine neue Situation einstellen, wenn er sie bereits kurz vorher kommen sieht. So lehnt er sich beispielsweise beim Autofahren automatisch gegen, wenn eine Kurve in Sicht ist. Kommt diese ganz unverhofft, kann der Körper weniger gut standhalten.

Sensoren, Druck- und Oberflächenrezeptoren am Körper

Das leitet zu einem weiteren wichtigen Punkt über: der Körperwahrnehmung. Natürlich weiss der Mensch auch, wenn er seine Augen geschlossen hat, in welcher Stellung sich sein Körper gerade befindet. Möglich ist das dank gewisser Sensoren, die überall im Körper anzutreffen sind. Sie leiten Informationen über die Stellung der Gelenke an das Gehirn weiter. Man spricht hierbei auch von Propriozeption.
Vor allem im oberen Halsbereich ist die Informationsweiterleitung besonders wichtig, denn an dieser Stelle verbindet sich der Rest des Körpers mit dem Kopf. Die aktuelle Stellung der Halswirbelsäule liefert wertvolle Informationen darüber, wie der Körper gerade positioniert ist.
Zusätzliche Meldungen liefern Druck- und Oberflächenrezeptoren, die sich beispielsweise an den Fusssohlen befinden. Sie geben unter anderem Aufschluss darüber, ob gerade gesessen, gelegen, gestanden oder gelaufen wird.

Das Gehirn als Sammelpunkt aller Informationen

All die Informationen, die das Gleichgewichtsorgan, die Augen und die Sensoren im Körper liefern, laufen im Gehirn zusammen. Hier werden die Daten verglichen. Das Hirn prüft, ob die Sinneseindrücke miteinander übereinstimmen oder ob es zu Abweichungen kommt. Beispielhaft dafür gilt eine Reise im Flugzeug.
Beim Start nimmt das Gleichgewichtsorgan einen Anstieg nach oben wahr. Doch das Bild, das die Augen realisieren, verändert sich nicht. Es entsteht also eine Abweichung der Sinneseindrücke. Überschreitet diese einen gewissen Schwellenwert, sendet der Körper ein Alarmsignal aus: das Schwindelgefühl. Der Drehschwindel sowie alle weiteren Schwindelarten nehmen also eine wichtige Warn- und auch Schutzfunktion ein.
Welcher Schwellenwert überschritten werden muss, damit sich ein Schwindelgefühl einstellt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Er kann sich auch situationsbedingt verändern. Wiederholt sich ein Ereignis, das Schwindel auslöst immer wieder, gewöhnt sich der Körper irgendwann daran und das damit verbundene Alarmsignal schwächt immer weiter ab. Es kommt zur sogenannten Habituation. Die Empfindlichkeit kann aber auch zunehmen, beispielsweise wenn eine Person Angst vor dem Zustand des Schwindels hat.

Drehschwindel: die verschiedenen Formen

Alle wichtigen Punkte bezüglich des generellen Auslösers eines Schwindelgefühls wurden nun besprochen. Es ist also an der Zeit, spezifischer zu werden und genauer auf die speziellen Arten des Drehschwindels einzugehen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Drehschwindel:
  • der horizontale Drehschwindel
  • der vertikale Drehschwindel
Der horizontale Drehschwindel vermittelt das Gefühl, man befände sich in einem Karussell. Der vertikale Schwindel hingegen fühlt sich an, als stünde man in einem Aufzug, der schnell nach oben oder unten fährt.
Beide Formen treten meist als Attacke auf, die wenige Sekunden oder Minuten, manchmal aber auch Stunden anhält.

Der Dauerdrehschwindel

In sehr seltenen Fällen hält der Drehschwindel auch mehrere Tage an. Dieser sogenannte Dauerdrehschwindel kommt allerdings nur im Ausnahmefall vor. Tritt dieser tatsächlich ein, kann eine Läsion der Gleichgewichtsnerven im Hirnstamm Schuld tragen. Dann ist eine ärztliche Abklärung des Sachverhalts dringend zu empfehlen. Hierfür können eine Schwindelambulanz oder ein Neurologe aufgesucht werden.
Möglicherweise schliesst sich auch eine andere Schwindelart an den Drehschwindel an, weshalb das Gefühl so lang anhält. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die richtige Behandlung einleiten zu können.

Ursachen und Symptome

Hervorgerufen wird der Drehschwindel oftmals durch Probleme mit dem horizontalen Bogengang des Gleichgewichtsorgans. Weitere mögliche Ursachen sind beispielsweise:
  • ein entzündeter Gleichgewichtsnerv
  • Morbus Meniére (eine Erkrankung des Innenohrs)
  • Bogengangsdehiszenz (Verlust der Knochenabdeckung des oberen Bodengangs)
  • Vestibularisparoxysmie (Nervenimpulse werden fehlgeleitet)
  • Stress
  • gewisse Grunderkrankungen
Der Drehschwindel ist keine eigenständige Erkrankung, er ist ein Symptom. Oftmals geht er mit Augenzittern, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen einher.

Wichtig

Unter Umständen kann der Drehschwindel auch ein Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Gerade bei älteren Personen besteht das Risiko eines Schlaganfalls. Dann sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden.

Drehschwindel: Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Zahlreiche Probleme und Erkrankungen können Auslöser des Drehschwindels sein. Umso wichtiger ist es, das zugrunde liegende Krankheitsbild zu ermitteln. Aber ab welchem Punkt ist der Gang zum Arzt wirklich notwendig?
Hält der Drehschwindel über einen längeren Zeitraum an, ist keineswegs mehr von einem normalen Symptom die Rede. Kommen zudem Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen und weitere Beschwerden hinzu, kann der Drehschwindel unter Umständen auf eine ernstzunehmende Erkrankung hinweisen.

Situationen, in denen ein Arztbesucht angezeigt ist:

  • Der Drehschwindel tritt im (hohen) Alter auf.
  • Es besteht Verdacht auf einen Schlaganfall.
  • Weitere Begleiterscheinungen kommen hinzu (z.B. Kopfschmerzen oder Sehstörungen).
  • Der Drehschwindel wird durch gewisse Kopfbewegungen ausgelöst.
  • Das Schwindelgefühl tritt ganz plötzlich ohne Anlass auf.
  • Eine Infektionskrankheit oder grippeähnliche Erkrankung liegt vor oder wurde gerade erst überwunden.
  • Der Schwindel tritt nach der Einnahme bestimmter Medikamente auf.
  • Ein Unfall war Auslöser für den Drehschwindel und es stellt sich keine Besserung ein.
Handelt es sich um einen akuten Notfall, ist selbstverständlich sofort der Notarzt zu kontaktieren. Das gilt vor allem dann, wenn ein Schlaganfallrisiko besteht, beispielsweise aufgrund von anderen gesundheitlichen Problemen oder einem hohen Alter.
Andernfalls führt der erste Weg zum Hausarzt. Er weiss am besten über den aktuellen Gesundheitszustand des Betroffenen Bescheid und kann mögliche Ursachen schnell erkennen. Falls notwendig, zieht er weitere Spezialisten hinzu, wie einen Neurologen oder eine Schwindelambulanz.

Behandlung eines Drehschwindels

Tritt der Drehschwindel häufiger auf oder hält lange Zeit an, ist eine angemessene Therapie von Nöten. Wie genau diese gestaltet ist, hängt davon ab, was der Auslöser des Schwindels ist. Infrage kommen in der Regel:
  • krankengymnastische Übungen
  • Medikamente
  • Operationen

Krankengymnastische Übungen

Ist der Gleichgewichtsnerv entzündet oder sind Beschwerden im Hals-Nacken-Bereich die Ursache für den Drehschwindel, können gewisse krankengymnastische Übungen zum Einsatz kommen. Sie lösen nicht nur Verspannungen, sondern stärken auch den allgemeinen Gleichgewichtssinn. Der Gesundheitszustand kann somit deutlich verbessert werden.

Medikamente

Der Einsatz von Medikamenten kommt infrage, wenn der Drehschwindel auf eine Infektion zurückzuführen ist. Diese kann beispielsweise mit Antibiotika behandelt werden, sodass sich auch das Schwindelgefühl als Begleiterscheinung nach und nach verringert.

Operationen

Bei Beschädigungen des Gleichgewichtsorgans, die ohne weiteres nicht mehr rückgängig gemacht werden können, kommen unter Umständen operative Eingriffe infrage. Diese sind allerdings nur sehr selten notwendig, denn in der Regel kann der Drehschwindel bzw. dessen Ursache mit anderen Mitteln geheilt werden.

Prognose bei einem Drehschwindel

In den meisten Fällen ist der Drehschwindel nur ein kurzweiliger Zeitgenosse, der oftmals von allein wieder verschwindet. Wurde er durch gewisse körperliche Beschwerden, Krankheiten oder schlichtweg Stress ausgelöst, gilt es, die Ursachen zu behandeln. Dann gehört auch der Drehschwindel der Vergangenheit an. In diesen Fällen sind die Prognosen durchaus positiv.
Generell kann der Drehschwindel sehr gut behandelt werden. In der Regel zieht er nach der Therapie keinerlei weitere Komplikationen nach sich. Wird kein Arzt aufgesucht, obwohl zweifellos eine Notwendigkeit vorliegt, können Kopfschmerzen, Sehstörungen und weitere bereits erwähnte Begleiterscheinungen zu alltäglichen Begleitern werden.

Wichtig

Kommt es beim Ausüben einer gewissen Tätigkeit zum Schwindelgefühl, ist diese sofort zu unterbrechen. Andernfalls kann der Betroffene in Ohnmacht fallen und sich dabei Verletzungen zuziehen. Hält der Drehschwindel trotz Unterbrechung der Tätigkeit an, ist die Konsultation eines Arztes ratsam.

Drehschwindel: Vorbeugung und Methoden zur Selbsthilfe

Da der Drehschwindel ein Symptom und keine eigenständige Krankheit ist, ist auch keine gezielte Vorbeugung möglich. Die zugrundeliegenden Ursachen müssen beseitigt werden. Besteht die Möglichkeit, diesen vorzubeugen, bleibt auch der Drehschwindel aus.
Befinden Sie sich bereits in einem Zustand, in dem der Drehschwindel von Zeit zu Zeit auftritt, müssen Sie diesen allerdings nicht ohne weiteres über sich ergehen lassen. Sie können sich durchaus selbst helfen. Besonders wichtig ist Ruhe. Stress sollte bestmöglich vermieden werden.

Die 4-6-8-Methode

Um die Beschwerden eines Drehschwindels zu lindern, können auch Atemübungen wie die sogenannte 4-6-8-Methode hilfreich sein:
  1. Atmen Sie vier Sekunden lang tief ein.
  2. Halten Sie Ihren Atem dann sechs Sekunden lang.
  3. Atmen Sie anschliessend für acht Sekunden aus.
  4. Wiederholen Sie diesen Vorgang ein paar Minuten.
Diese Atemübung bringt Ihren Körper und auch Ihren Geist zur Ruhe und kann so dabei helfen, Drehschwindelanfälle zu reduzieren.

Eine Ohnmacht verhindern

Um den Kreislauf schnell wieder in Schwung zu bringen, bietet sich ein Glas Wasser mit etwas Zucker an. Besteht die Gefahr, in Ohnmacht zu fallen, sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Andernfalls besteht Erstickungsgefahr. Um einen abgefallenen Blutdruck wieder zurück in den normalen Zustand zu versetzen, sollten die Beine hochgelegt werden. So kann das Blut besser zurück zum Herzen gelangen.
Lässt es das aktuelle Befinden zu, können leichte Dehnübungen durchgeführt werden. Die Körperspannung, die dadurch aufgebaut wird, kann den Blutdruck ebenfalls wieder ansteigen lassen. Um den Gleichgewichtssinn im Allgemeinen zu stärken und damit generell weniger anfällig für Schwindelanfälle zu werden, eignen sich unter anderem gezielte Balanceübungen.

Fazit: Der Gang zum Arzt lohnt sich

Der Drehschwindel ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom. Er wird also durch gewisse Beschwerden oder Krankheiten hervorgerufen. Auch äussere Einflüsse können zu einem Schwindelgefühl führen, beispielsweise wenn es ganz abrupt und unvorhersehbar zum Abbruch eines Bewegungsablaufs kommt.
Gefährlich wird ein derartiger Zustand vor allem für ältere Personen. Kommt es zur Ohnmacht und einem damit verbundenen Sturz, besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Ausserdem kann der Drehschwindel vor allem im höheren Alter auf einen Schlaganfall hindeuten. Auch bei einem Dauerdrehschwindel ist Vorsicht geboten und es sollte ein Arzt hinzugezogen werden.
Der Gang zum Arzt lohnt sich, denn diese Art des Schwindels kann sehr gut therapiert werden. Wer häufig an Schwindelanfällen leidet, weiss, dass diese den Alltag erheblich erschweren können. Dank wirksamer Behandlungsmöglichkeiten in Form von Gymnastik, Medikamenten oder in seltenen Fällen auch Operationen, können Patienten jeden Alters ihre volle Lebensqualität zurückerlangen.

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