Hitzeschutz für Senioren: So kommen Sie sicher durch den Sommer
Hohe Temperaturen sind für ältere Menschen besonders belastend. Mit den richtigen Massnahmen schützen Sie Ihre Gesundheit und geniessen den Sommer unbeschwert.

Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Warum ist Hitze für ältere Menschen besonders gefährlich?
- Warnsignale: So erkennen Sie eine Überhitzung
- Was tun im Notfall?
- 10 praktische Tipps für Senioren bei heissen Tagen
- Die Wohnung im Sommer kühl halten
- Hitze und Medikamente: Was Sie beachten sollten
- Tipps für Angehörige
- Häufig gestellte Fragen
- Fazit: Gut vorbereitet durch den Sommer
Das Wichtigste in Kürze
- Ältere Menschen sind bei Hitze besonders gefährdet, weil das Durstgefühl nachlässt und der Körper die Temperatur schlechter reguliert.
- Massnahmen: Ausreichend trinken (mindestens 1,5 Liter pro Tag), leichte Kleidung und das Meiden der Mittagshitze sind die wichtigsten Schutzmassnahmen.
- Bestimmte Medikamente können die Hitzeverträglichkeit beeinflussen. Sprechen Sie vor dem Sommer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
- Anzeichen einer Überhitzung wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit sollten ernst genommen werden.
Warum ist Hitze für ältere Menschen besonders gefährlich?
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Die Fähigkeit, die eigene Temperatur zu regulieren, nimmt ab. Der Körper schwitzt weniger effektiv, und die Blutgefässe reagieren langsamer auf Temperaturveränderungen.
Hinzu kommt, dass das Durstgefühl im Alter häufig nachlässt. Viele Seniorinnen und Senioren trinken daher zu wenig, gerade dann, wenn der Körper bei Hitze besonders viel Flüssigkeit benötigt. Das erhöht das Risiko einer Dehydration (Austrocknung) erheblich.
Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes oder Nierenerkrankungen verstärken die Belastung zusätzlich. Auch bestimmte Medikamente, etwa Blutdrucksenker oder Entwässerungsmittel (Diuretika), können die Hitzeverträglichkeit beeinträchtigen.
Schon gewusst?
In der Schweiz führen Hitzewellen zunehmend zu Notfalleinweisungen und Todesfällen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen und alleinlebende Senioren besonders gefährdet.
Warnsignale: So erkennen Sie eine Überhitzung
Bei hohen Temperaturen ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten. Folgende Symptome können auf eine Überhitzung hindeuten:
- Starkes Schwitzen oder im Gegenteil: plötzliches Aufhören des Schwitzens
- Schwindel und Benommenheit
- Kopfschmerzen und Übelkeit
- Schneller Puls
- Muskelkrämpfe
- Verwirrtheit oder Desorientiertheit
- Heisse, gerötete und trockene Haut

Was tun im Notfall?
Treten Symptome wie Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder sehr hohe Körpertemperatur auf, handelt es sich möglicherweise um einen Hitzschlag. Dies ist ein medizinischer Notfall. Rufen Sie sofort den Notruf (144) an.
Bei leichteren Beschwerden helfen sofortige Massnahmen: Legen Sie sich an einen kühlen Ort, trinken Sie Wasser und kühlen Sie den Körper mit feuchten Tüchern. Bessern sich die Symptome nicht innerhalb weniger Minuten, kontaktieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
10 praktische Tipps für Senioren bei heissen Tagen
- Regelmässig trinken, auch ohne Durst: Stellen Sie sich morgens eine Flasche oder Karaffe mit 1,5 bis 2 Litern Wasser bereit. Trinken Sie über den Tag verteilt, am besten Wasser oder ungesüsste Kräutertees. Vermeiden Sie Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke. Mehr Infos dazu finden Sie in unserem Ratgeber zu «Wie viel Wasser sollte man trinken.»
- Mittagshitze meiden: Zwischen 11 und 15 Uhr sind die Temperaturen am höchsten. Erledigen Sie Einkäufe und Spaziergänge in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend.
- Leichte Kleidung tragen: Helle, weite Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Leinen ist ideal. Vergessen Sie den Sonnenhut nicht.
- Wohnung kühl halten: Lüften Sie frühmorgens und spätabends, wenn die Aussentemperatur tief ist. Tagsüber Fenster geschlossen halten und Rollläden oder Vorhänge zuziehen.
- Leicht essen: Setzen Sie auf kleine, leichte Mahlzeiten mit viel Gemüse und wasserreichem Obst wie Melone, Gurke oder Tomaten. Schwere, fettige Speisen belasten den Kreislauf zusätzlich.
- Körper kühlen: Feuchte Tücher auf Stirn, Nacken und Handgelenke, ein kühles Fussbad oder eine lauwarme Dusche verschaffen schnell Linderung. Eiskaltes Wasser ist weniger geeignet, da der Körper darauf mit Gegenerwärmung reagiert.
- Kühle Orte aufsuchen: Wenn Ihre Wohnung zu warm wird, verbringen Sie einige Stunden an kühleren Orten: eine Bibliothek, ein Einkaufszentrum, eine Kirche oder ein schattiger Park.
- Sonnenschutz nicht vergessen: Tragen Sie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf, auch bei bedecktem Himmel. Die Haut wird im Alter empfindlicher gegenüber UV-Strahlung.
- Medikamente prüfen lassen: Einige Medikamente beeinflussen die Hitzeverträglichkeit oder müssen bei Hitze anders dosiert werden. Besprechen Sie dies vor dem Sommer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Kontakt halten: Informieren Sie Nachbarn, Freunde oder Angehörige, wenn Sie allein leben. Bitten Sie sie, bei Hitze regelmässig nach Ihnen zu schauen oder melden Sie sich selbst aktiv.
Tipp
Richten Sie sich eine «Trink-Erinnerung» ein. Das kann ein Wecker auf dem Handy sein, der alle zwei Stunden klingelt, oder einfach die Gewohnheit, zu jeder vollen Stunde ein Glas Wasser zu trinken. So vergessen Sie das Trinken nicht.
Die Wohnung im Sommer kühl halten
Gerade in Städten heizen sich Wohnungen im Sommer stark auf. Mit einigen einfachen Massnahmen lässt sich die Raumtemperatur spürbar senken:
- Frühmorgens und spätabends stosslüften, wenn die Aussenluft kühler ist als die Raumluft.
- Tagsüber Fenster und Türen geschlossen halten.
- Rollläden, Aussenjalousien oder Vorhänge an der Sonnenseite schliessen.
- Elektrische Geräte ausschalten, die nicht benötigt werden – sie erzeugen Wärme.
- Ein Ventilator kann die gefühlte Temperatur senken. Tipp: Stellen Sie eine Schale mit Eiswürfeln davor.
- Liegt die Raumtemperatur dauerhaft über 32 Grad, sollten Sie einen kühleren Aufenthaltsort aufsuchen. Auch nachts ist die Temperatur entscheidend: Für erholsamen Schlaf sollte das Schlafzimmer unter 24 Grad liegen.
Hitze und Medikamente: Was Sie beachten sollten
Viele Medikamente, die ältere Menschen regelmässig einnehmen, können die Hitzeverträglichkeit beeinflussen. Dazu zählen unter anderem:
- Blutdrucksenker (z. B. Betablocker): Können die Fähigkeit des Körpers einschränken, sich an Hitze anzupassen.
- Diuretika (Entwässerungsmittel): Erhöhen den Flüssigkeitsverlust und damit das Risiko einer Dehydration.
- Psychopharmaka: Können das Schwitzen beeinflussen oder die Wahrnehmung von Hitze verändern.
Wichtig: Setzen Sie Medikamente niemals eigenmmächtig ab oder ändern Sie die Dosierung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Vereinbaren Sie idealerweise vor dem Sommer einen Termin, um Ihre Medikation auf Hitzeverträglichkeit prüfen zu lassen.
Achten Sie auch auf die richtige Lagerung: Viele Medikamente müssen unter 25 Grad aufbewahrt werden. An heissen Tagen kann ein Kühlschrank sinnvoll sein – allerdings nicht für alle Präparate. Lesen Sie den Beipackzettel oder fragen Sie in der Apotheke nach.
Tipps für Angehörige
Nicht alle älteren Menschen nehmen die Hitze als Gefahr wahr. Studien zeigen, dass gerade Personen über 75 Jahre ihr eigenes Risiko häufig unterschätzen. Als Angehörige können Sie einen wichtigen Beitrag leisten:
- Rufen Sie bei Hitze regelmässig an oder schauen Sie persönlich vorbei – besonders bei alleinlebenden Senioren.
- Stellen Sie sicher, dass genügend Getränke im Haus sind.
- Helfen Sie beim Verdunkeln der Wohnung und beim Lüften zur richtigen Zeit.
- Achten Sie auf Warnsignale wie Verwirrtheit, ungewohnte Müdigkeit oder wenig Urinausscheidung.
- Bieten Sie an, Besorgungen oder Arztbesuche zu übernehmen, damit Ihre Angehörigen nicht in der Mittagshitze nach draussen müssen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel sollte ich bei Hitze trinken?
Als Faustregel gelten mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag, bei starker Hitze bis zu 2,5 Liter. Wer unter Herz- oder Nierenerkrankungen leidet, sollte die optimale Trinkmenge mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, da bei diesen Erkrankungen auch zu viel Flüssigkeit problematisch sein kann.
Ist ein Ventilator besser als eine Klimaanlage?
Beide haben Vor- und Nachteile. Ein Ventilator bewegt die Luft und sorgt für ein kühleres Gefühl auf der Haut, senkt aber die Raumtemperatur nicht. Eine Klimaanlage kühlt effektiv, kann aber bei falsch eingestellter Temperatur oder zu starkem Luftzug Erkältungen begünstigen. Achten Sie darauf, die Klimaanlage nicht zu kalt einzustellen – ein Unterschied von maximal 6 Grad zur Aussentemperatur ist empfehlenswert.
Darf ich bei Hitze Sport treiben?
Grundsätzlich ja, aber passen Sie die Intensität und den Zeitpunkt an. Verlegen Sie körperliche Aktivitäten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Schwimmen oder Wassergymnastik sind bei Hitze besonders geeignet. Hören Sie auf Ihren Körper und trinken Sie vor, während und nach dem Sport ausreichend.
Ab welcher Temperatur wird es gefährlich?
Spätestens ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad sollten Sie verstärkt auf Hitzeschutz achten. Besonders kritisch wird es, wenn auch die Nachttemperaturen nicht unter 20 Grad sinken (sogenannte Tropennächte), da sich der Körper dann nachts nicht ausreichend erholen kann.
Fazit: Gut vorbereitet durch den Sommer
Hitze im Sommer ist in der Schweiz keine Seltenheit mehr – und gerade für ältere Menschen eine ernstzunehmende Belastung. Die gute Nachricht: Mit einfachen Massnahmen lassen sich die Risiken deutlich reduzieren. Wer ausreichend trinkt, die Mittagshitze meidet, die Wohnung kühl hält und seine Medikation prüfen lässt, kann den Sommer sicher und selbstbestimmt geniessen.
Sprechen Sie das Thema auch in Ihrem Umfeld an. Gerade alleinlebende Seniorinnen und Senioren sind auf aufmerksame Nachbarn und Angehörige angewiesen. Ein kurzer Anruf oder Besuch bei heissen Temperaturen kann im Ernstfall Leben retten.