Arthrose und Arthritis: Die wichtigsten Unterschiede und was Sie wissen sollten
Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Alter. Doch Arthrose und Arthritis sind nicht dasselbe. Wer die Unterschiede kennt, kann gezielter handeln und länger selbstbestimmt leben.

Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Gelenkschmerzen im Alter: Arthrose oder Arthritis?
- Was ist Arthrose?
- Was ist Arthritis?
- Arthrose und Arthritis: Die Unterschiede auf einen Blick
- Wie werden Arthrose und Arthritis diagnostiziert?
- Behandlungsmöglichkeiten: Was hilft bei Arthrose und Arthritis?
- Warum Bewegung bei beiden Erkrankungen so wichtig ist
- Vorbeugung: Was können Sie selbst tun?
- Alltag mit Gelenkbeschwerden: praktische Tipps
- Häufig gestellte Fragen
- Fazit: Wissen schafft Selbstbestimmung
Das Wichtigste in Kürze
- Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der sich der Knorpel abbaut. Arthritis bezeichnet eine entzündliche Gelenkerkrankung.
- Arthrose entsteht häufig durch Verschleiss und tritt vor allem im Alter auf. Arthritis kann in jedem Lebensalter auftreten und hat oft autoimmune Ursachen.
- Typisch für Arthrose ist der Belastungsschmerz. Bei Arthritis stehen Ruheschmerz und Morgensteifigkeit im Vordergrund.
- Beide Erkrankungen lassen sich heute gut behandeln. Bewegung, Ernährung und frühzeitige Therapie spielen eine zentrale Rolle.
Gelenkschmerzen im Alter: Arthrose oder Arthritis?
Wenn die Gelenke schmerzen, fällt schnell der Begriff «Rheuma». Doch hinter Gelenkbeschwerden können ganz unterschiedliche Erkrankungen stecken. Die beiden häufigsten sind Arthrose und Arthritis. Obwohl die Namen ähnlich klingen, unterscheiden sie sich grundlegend in Ursache, Verlauf und Behandlung.
Arthrose ist eine Verschleisserkrankung des Gelenkknorpels. Arthritis hingegen ist eine entzündliche Erkrankung, die das gesamte Gelenk betreffen kann. Beide können die Beweglichkeit einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, die Unterschiede zu kennen.
In der Schweiz sind gemäss der Rheumaliga rund zwei Millionen Menschen von einer rheumatischen Erkrankung betroffen. Gerade im Alter nehmen Gelenkbeschwerden zu.
Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Arthrose und Arthritis, zeigt Behandlungsmöglichkeiten auf und gibt praktische Tipps für den Alltag.
Was ist Arthrose?
Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Bei dieser degenerativen Erkrankung baut sich der Gelenkknorpel, also die schützende Schicht zwischen den Knochen, nach und nach ab. Ohne diese Pufferschicht reiben die Knochen direkt aufeinander. Das verursacht Schmerzen und schränkt die Beweglichkeit ein.
Ursachen der Arthrose
Die Ursachen für Arthrose sind vielfältig. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Natürlicher Alterungsprozess: Mit den Jahren nimmt die Elastizität des Knorpels ab.
- Fehlstellungen: Angeborene Achsenfehlstellungen wie X- oder O-Beine erhöhen die Belastung einzelner Gelenke.
- Übergewicht: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet die Gelenke – besonders Knie und Hüfte.
- Verletzungen: Frühere Unfälle oder Sportverletzungen können den Knorpelabbau beschleunigen.
- Belastende Sportarten: Sportarten mit starken Stössen oder abrupten Richtungswechseln erhöhen das Risiko.
Symptome der Arthrose
Arthrose verläuft oft schleichend. Zu Beginn treten Beschwerden nur bei Belastung auf. Typische Symptome sind:
- Anlaufschmerz: Schmerzen nach längerem Sitzen oder morgens beim Aufstehen, die nach einigen Schritten nachlassen.
- Belastungsschmerz: Beschwerden bei längerem Gehen, Treppensteigen oder Tragen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Zum Beispiel Schwierigkeiten beim Bücken oder Socken anziehen.
- Knirschen oder Knacken: Geräusche im Gelenk bei Bewegung.
Ausführliche Informationen zu Arthrose, ihren Therapiemöglichkeiten und zum Umgang mit der Erkrankung finden Sie in unserem Ratgeber zu Arthrose.

Arthrose kann jedes Körperteil betreffen .
Was ist Arthritis?
Arthritis ist der Oberbegriff für entzündliche Gelenkerkrankungen. Im Gegensatz zur Arthrose steht hier nicht der Verschleiss, sondern eine Entzündung im Vordergrund. Diese kann das gesamte Gelenk betreffen, einschliesslich Gelenkkapsel, Gelenkinnenhaut und umliegendem Gewebe.
Formen der Arthritis
Es gibt verschiedene Formen der Arthritis. Die wichtigsten sind:
- Rheumatoide Arthritis: Die häufigste Form. Das Immunsystem greift irrtümlich die eigene Gelenkinnenhaut an. Dies führt zu chronischen Entzündungen, die den Knorpel und Knochen schädigen können.
- Psoriasis-Arthritis: Tritt bei Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) auf. Neben der Haut sind auch die Gelenke betroffen.
- Reaktive Arthritis: Entsteht als Reaktion auf eine Infektion an anderer Stelle im Körper, etwa im Darm oder in den Harnwegen.
- Gicht (Arthritis urica): Durch erhöhte Harnsäurewerte lagern sich Kristalle in den Gelenken ab und lösen akute Entzündungen aus.
Symptome der Arthritis
Arthritis zeigt sich oft durch deutliche Entzündungszeichen. Typische Symptome sind:
- Ruheschmerz: Schmerzen treten auch ohne Belastung auf, häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden.
- Morgensteifigkeit: Die Gelenke sind nach dem Aufwachen länger als 30 Minuten steif.
- Schwellung, Rötung und Überwärmung: Die betroffenen Gelenke sind sichtbar entzündet.
- Symmetrischer Befall: Bei rheumatoider Arthritis sind oft beide Körperseiten gleichzeitig betroffen.
Arthrose und Arthritis: Die Unterschiede auf einen Blick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede übersichtlich zusammen:
Schon gewusst?
Arthrose und Arthritis können gleichzeitig auftreten. Eine fortgeschrittene Arthrose kann entzündliche Schübe auslösen, die einer Arthritis ähneln. Fachleute sprechen dann von einer «aktivierten Arthrose». Umgekehrt kann eine lang anhaltende Arthritis den Knorpel so weit schädigen, dass sich zusätzlich eine Arthrose entwickelt.
Wie werden Arthrose und Arthritis diagnostiziert?
Bei anhaltenden Gelenkbeschwerden sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen. Die Diagnose umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Art, Dauer und Ort der Beschwerden und untersucht die betroffenen Gelenke.
- Bildgebung: Röntgenaufnahmen zeigen den Zustand des Knorpels und der Knochen. Ergänzend kommen MRT oder Ultraschall zum Einsatz.
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte (CRP, Blutsenkungsgeschwindigkeit) und spezifische Antikörper (Rheumafaktor, Anti-CCP) helfen bei der Unterscheidung.
- Gelenkpunktion: In bestimmten Fällen wird Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht, um Kristalle (Gicht) oder Bakterien nachzuweisen.
Für die korrekte Diagnose ist in der Regel eine Fachärztin oder ein Facharzt für Orthopädie oder Rheumatologie zuständig.
Behandlungsmöglichkeiten: Was hilft bei Arthrose und Arthritis?
Die Behandlung unterscheidet sich je nach Diagnose, doch einige Grundsätze gelten für beide Erkrankungen.
Therapie bei Arthrose
Arthrose ist nicht heilbar, lässt sich aber gut behandeln. Im Vordergrund stehen:
- Bewegungstherapie: Regelmässige, gelenkschonende Bewegung ist das A und O. Programme wie GLA:D® kombinieren Aufklärung mit gezieltem Training und können Operationen hinauszögern.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Muskulatur rund um das Gelenk und entlasten es.
- Schmerzmanagement: Entzündungshemmende Medikamente, Wärme- oder Kälteanwendungen und Infiltrationen (z. B. mit Hyaluronsäure) können Beschwerden lindern.
- Schmerzmanagement: Entzündungshemmende Medikamente, Wärme- oder Kälteanwendungen und Infiltrationen (z. B. mit Hyaluronsäure) können Beschwerden lindern.
- Hilfsmittel: Orthopädische Einlagen, Bandagen oder Gehstöcke unterstützen im Alltag.
- Gelenkersatz: Bei stark fortgeschrittener Arthrose kann ein künstliches Gelenk die Lebensqualität deutlich verbessern.
Therapie bei Arthritis
Bei Arthritis steht die Bekämpfung der Entzündung im Mittelpunkt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Gelenkschäden verhindern.
- Medikamentöse Therapie: Basismedikamente (DMARDs) wie Methotrexat bremsen die überschiessende Immunreaktion. Biologika greifen gezielt in den Entzündungsprozess ein.
- Kortison: Wird kurzfristig eingesetzt, um akute Entzündungsschübe zu kontrollieren.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Erhalten die Beweglichkeit und trainieren gelenkschonende Bewegungsabläufe im Alltag.
- Ernährung: Eine entzündungshemmende Ernährung (reich an Omega-3-Fettsäuren, Gemüse und Obst) kann den Verlauf positiv beeinflussen. Auf unserer Themenseite Ernährung im Alter finden Sie wertvolle Tipps für eine ausgewogene Ernährung.
Warum Bewegung bei beiden Erkrankungen so wichtig ist

Gelenkschonende Sportarten lindern die Erkrankungen.
Ob Arthrose oder Arthritis: Bewegung ist ein zentraler Baustein der Therapie. Viele Betroffene neigen dazu, schmerzende Gelenke zu schonen. Doch genau das Gegenteil ist richtig. Regelmässige, angepasste Bewegung hält die Gelenke geschmeidig und stärkt die umliegende Muskulatur.
Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen, Velofahren, Yoga oder gelenkschonendes Krafttraining. Auch Wassergymnastik ist besonders schonend und wird von vielen Betroffenen als angenehm empfunden. Wichtig ist, die Belastung dem eigenen Leistungsniveau anzupassen und bei Unsicherheit eine Fachperson zu konsultieren.
Tipps für den Muskelaufbau im Alter finden Sie in unserem Ratgeber zum Muskelaufbau. Auch unser Ratgeber zum Thema Fit im Alter liefert wertvolle Informationen.
Vorbeugung: Was können Sie selbst tun?
Nicht jede Gelenkerkrankung lässt sich verhindern. Doch mit einem aktiven Lebensstil können Sie das Risiko deutlich senken und den Verlauf positiv beeinflussen. Die folgenden Massnahmen helfen:
- Regelmässige Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche schützen die Gelenke und stärken Muskeln sowie Knochen.
- Gesundes Körpergewicht: Jedes Kilogramm weniger entlastet die Gelenke spürbar.
- Ausgewogene Ernährung: Entzündungshemmende Lebensmittel wie fetter Fisch, Nüsse, Olivenöl und viel Gemüse unterstützen die Gelenkgesundheit.
- Frühzeitige ärztliche Abklärung: Bei anhaltenden Gelenkschmerzen sollte zeitnah eine Fachperson aufgesucht werden.
- Sturzprävention: Gleichgewichtstraining und ein sicheres Wohnumfeld verringern das Risiko von Verletzungen, die Arthrose begünstigen. Hier gibt es mehr Infos zum Thema Sturzprophylaxe.
Tipp
Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Gelenkbeschwerden. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Therapie und kann Folgeschäden verhindern. Scheuen Sie sich nicht, eine Zweitmeinung einzuholen, gerade bei der Frage, ob eine Operation notwendig ist.
Alltag mit Gelenkbeschwerden: praktische Tipps
Gelenkerkrankungen beeinflussen den Alltag, doch mit einigen Anpassungen lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern. Die folgenden Tipps helfen Betroffenen, ihren Alltag aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.
Hilfsmittel im Haushalt
Spezielle Griffe für Flaschen und Gläser, ergonomisches Besteck oder Anziehhilfen für Strümpfe und Schuhe können den Alltag erheblich erleichtern. Auch ein Duschhocker oder Haltegriffe im Badezimmer sorgen für mehr Sicherheit und Selbstständigkeit. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Hilfsmittel.
Wärme und Kälte gezielt einsetzen
Bei Arthrose wirkt Wärme oft wohltuend. Ein warmes Bad, Wärmekissen oder eine Infrarotlampe können die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern. Bei akuten Entzündungen, wie sie bei Arthritis auftreten, hilft dagegen eher Kühlung. Kühlpacks oder kalte Umschläge können die Schwellung reduzieren.
Psychische Gesundheit nicht vergessen
Chronische Schmerzen können belastend sein und auf die Stimmung drücken. Der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in einer Selbsthilfegruppe, kann entlastend wirken. Auch Entspannungstechniken wie Meditation oder Achtsamkeitsübungen können helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.
Kostenerstattung in der Schweiz
Viele Therapien bei Arthrose und Arthritis werden in der Schweiz von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) übernommen. Dazu gehören ärztliche Behandlungen, Physiotherapie auf ärztliche Verordnung sowie verschriebene Medikamente. Für orthopädische Hilfsmittel und bestimmte Therapien lohnt sich eine Rückfrage bei der Krankenkasse.
Häufig gestellte Fragen
Kann sich Arthrose in Arthritis verwandeln?
Nicht direkt. Allerdings können bei fortgeschrittener Arthrose entzündliche Schübe auftreten, die ähnliche Symptome wie eine Arthritis verursachen. Fachleute bezeichnen dies als «aktivierte Arthrose». Eine echte rheumatoide Arthritis hat jedoch andere Ursachen.
Ist Arthritis heilbar?
Rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar, lässt sich aber mit modernen Medikamenten sehr gut kontrollieren. Ziel der Therapie ist es, die Entzündung zu stoppen und Gelenkschäden zu verhindern. Bei frühzeitiger Behandlung ist ein weitgehend beschwerdefreies Leben möglich.
Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?
Bei Verdacht auf Arthrose ist eine Orthopädin oder ein Orthopäde die erste Anlaufstelle. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthritis ist eine Rheumatologin oder ein Rheumatologe zuständig. Der Hausarzt kann bei der Ersteinschätzung helfen und an die richtige Fachperson überweisen.
Beeinflusst das Wetter Gelenkschmerzen?
Viele Betroffene berichten, dass Kälte und Feuchtigkeit ihre Beschwerden verstärken. Wissenschaftlich ist der Zusammenhang nicht eindeutig belegt. Es wird vermutet, dass Druckveränderungen in der Atmosphäre die Gelenke beeinflussen können. Wärme und Bewegung verschaffen in solchen Phasen häufig Linderung.
Kann ich mit Gelenkproblemen noch Sport treiben?
Ja, unbedingt! Bewegung ist bei Arthrose und Arthritis eines der wirksamsten Mittel. Wichtig ist, eine gelenkschonende Sportart zu wählen und die Belastung an die eigene Situation anzupassen. Schwimmen, Velofahren, Yoga und leichtes Krafttraining eignen sich besonders gut.
Fazit: Wissen schafft Selbstbestimmung
Arthrose und Arthritis sind zwei unterschiedliche Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsansätzen. Wer die Unterschiede kennt, kann gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt die richtige Therapie finden und aktiv zu einem besseren Verlauf beitragen.
Beide Erkrankungen sind kein Grund, sich zurückzuziehen. Mit der richtigen Behandlung, regelmässiger Bewegung und einer bewussten Lebensweise lässt sich auch mit Gelenkbeschwerden ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen. Der Schlüssel liegt darin, frühzeitig zu handeln, informiert zu bleiben und die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen.