Essen bei Durchfall: Was ist erlaubt und was nicht?
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Essen bei Durchfall: Was ist erlaubt und was nicht?

Im Laufe des Lebens leiden Menschen immer wieder an Durchfallerkrankungen, die meist harmlos sind. In diesen Tagen auf Mahlzeiten zu verzichten, ist jedoch der falsche Weg. Mit der richtigen Schonkost können Sie sich gesund trinken und essen bei Durchfall.

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Helvetic Care am 22.6.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Durchfall wird in der Medizin als Diarrhö bezeichnet.
  • Während der Erkrankung müssen dem Körper ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte zugeführt werden.
  • Schonkost ist als Essen bei Durchfall besonders geeignet.
  • Dagegen sollten schwer verdauliche Nahrungsmittel gemieden werden.

Wann genau spricht man von Durchfall?

Jeder Mensch hat einen individuellen Rhythmus bezüglich der Häufigkeit des Stuhlgangs und seiner Konsistenz. Deshalb spielt die persönliche Beurteilung, ab wann Stuhl zu Durchfall wird, eine wichtige Rolle. Solange nur kleine Abweichungen zur regulären Darmtätigkeit auftreten, geht man von normalem Stuhlgang aus. Bei den meisten Menschen liegt die Stuhlfrequenz bei etwa dreimal pro Tag bis alle drei Tage einmal.
Erst wenn sich die Häufigkeit des Stuhlgangs erhöht und die Konsistenz dünner wird, spricht man von Durchfall. In der Medizin wird die wissenschaftliche Bezeichnung «Diarrhö» verwendet.

Merkmale eines akuten Durchfalls:

  • Stuhlfrequenz bei mehr als drei ungeformten Stühlen am Tag
  • breiige bis dünnflüssige Stuhlkonsistenz (Wassergehalt mindestens 75 Prozent)
  • erhöhtes Stuhlgewicht (ab 250 Gramm)
Häufig wird Durchfall von weiteren Symptomen begleitet, wie Bauchkrämpfen und Blähungen. Die Genesung erfolgt in der Regel nach zwei bis drei Tagen, wenn es sich um eine akute Erkrankung handelt.

Mögliche Ursachen von Durchfall

Die möglichen Ursachen für einen Durchfall sind sehr vielfältig. Die häufigste Ursache für eine Durchfallerkrankung ist eine Viren- oder Bakterieninfektion (z. B. Rotaviren, Noroviren oder Salmonellen). Die Erreger gelangen durch Schmierinfektion oder kontaminierte Speisen in den Körper.
Im fortgeschrittenen Alter kann auch die regelmässige Einnahme von Arzneimitteln das Risiko für Diarrhö erhöhen. Ebenso sind verschiedene Erkrankungen im Darm Auslöser für Durchfall (z. B. Reizdarm) oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus.

Die Ursachen von Diarrhö im Überblick

  • Viren- oder Bakterieninfektion
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (u. a. Laktoseintoleranz)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Einfluss durch Medikamente (z. B. Antibiotika, Schmerzmittel)
  • Reizdarm
  • Entzündungen im Darm
  • bakterielle Überwucherung im Dünndarm
  • Geschwülste (Polypen, Tumore)
  • Operationen und Chemotherapie
  • psychische Ursachen wie Stress, Sorgen, Ängste
Handelt es sich bei der Durchfallerkrankung um ein öfter auftretendes Phänomen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Besteht das Leiden seit mehr als drei Tagen, ist ebenfalls der Besuch einer Arztpraxis anzuraten. In leichten und seltenen Fällen von Diarrhö können sich Patienten mit der richtigen Kost selbst helfen.
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Warum Sie bei Durchfall essen und trinken sollten

Wenn das sensible Gleichgewicht der Darmflora bei Durchfall gestört ist, verliert der Körper wichtige Mineral- und Nährstoffe. Hinzu kommt ein veränderter Flüssigkeitshaushalt, denn mit dem Stuhl werden Wasser und Salze (wie Natrium- und Kaliumverbindungen) ausgeschieden. Den Verlust all dieser lebensnotwendigen Komponenten (Elektrolyte) gilt es, in kurzer Zeit wieder auszugleichen.
Wenn der Körper durch eine Diarrhö gebeutelt wird, ist an Kochen und Essen kaum zu denken. Dennoch ist die Aufnahme von einigen Speisen zur Genesung wichtig. Zuerst muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um dem Körper wieder Elektrolyte zuzuführen. Anschliessend kann mit einer Schonkost begonnen werden, die für Magen und Darm leicht zu verdauen ist.

Getränke bei Durchfall

An erster Stelle der Genesung bei Diarrhö steht die Flüssigkeitsaufnahme. Um die verlorenen Elektrolyte auszugleichen, kommen stille Mineralwässer, Kräutertees und Bouillons infrage. Dagegen sollten Koffein und Getränke mit Kohlensäure gemieden werden. Bei akutem Durchfall wird eine Trinkmenge von zweieinhalb bis drei Litern pro Tag empfohlen.

Gut zu wissen

Getränke, die mindestens Zimmertemperatur haben, belasten den Magen nicht zusätzlich. Verzichten Sie auf heisse und kalte Getränke!
Bei älteren Menschen kann durch die Veränderung der Magenschleimhaut die Aufnahme von Mineralstoffen geringer sein. Dadurch ist die optimale Zufuhr von lebenswichtigen Nährstoffen nicht immer möglich. Werden nun bei Durchfall diese Mineralstoffe und -salze auch noch vermehrt ausgeschieden, so fehlen sie im Körper. Ein Elektrolytgemisch kann hier schnell Abhilfe schaffen.

Rezept für ein Elektrolytgemisch

Natürlich gibt es das fertige Elektrolytgemisch auch in der Apotheke, doch wenn gerade keins zur Hand ist, kann es leicht hergestellt werden. Wichtig sind dabei die vier Bestandteile:
  • Natriumchlorid (Salz)
  • Glukose (Zucker)
  • Kalium
  • Wasser

Zutaten für eine Elektrolytmischung

  • 1/2 Liter Mineralwasser ohne Kohlensäure oder abgekochtes Leitungswasser
  • 1/2 Liter Orangensaft (Kaliumversorgung)
  • sechs Teelöffel Traubenzucker, Honig oder Zucker (Glukose)
  • 1/2 bis 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz (Natriumchlorid)
Eine hohe Konzentration an Kalium enthalten auch Bananen, die man anstelle des Orangensaftes essen kann. Das Elektrolytgetränk wird schluckweise getrunken.

Tees und Bouillons bei Durchfall

Neben der 'Erste-Hilfe-Massnahme in Form der Elektrolytmischung unterstützen verschiedene Kräutertees und Brühen die Genesung. Tee kann man separat oder zum Essen bei Durchfall trinken. Bewährt haben sich dabei Kräuter- und Heilpflanzen wie Fenchel, Kamille, Salbei und Pfefferminze. Sie wirken krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend.

Rezept für einen Heidelbeertee

Auch ein Tee aus Heidelbeeren hilft bei Durchfall. Man benötigt 10 bis 20 Gramm getrocknete Heidelbeeren sowie 150 Milliliter Wasser. Alle Zutaten werden zum Kochen gebracht. Anschliessend dürfen sie zehn Minuten köcheln, bevor die Beeren abgeseiht werden.
Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle der Schwarztee. Dank seiner Gerbstoffe kann er den Darm beruhigen und Durchfall lindern. Dazu sollte dieser Tee mindestens vier Minuten lang ziehen.
Eine wunderbar geeignete Kombination aus Flüssigkeit und fester Nahrung sind Bouillons. Eine Gemüsebouillon enthält Elektrolyte und kann somit den Elektrolythaushalt wieder auffüllen. Wird diese Brühe mit leichten Einlagen, wie fein geraspelten Karotten, Kartoffelstückchen oder Haferflocken ergänzt, hilft das Magen und Darm zusätzlich.

Essen bei Durchfall

Neben den beschriebenen Getränken helfen bestimmte Lebensmittel, Durchfall zu heilen. Sie alle gelten als magenschonend und leicht verdaulich.
Zu den geeigneten Nahrungsmitteln bei Diarrhö zählen:
  • Äpfel und Bananen
  • Haferflocken
  • Heidelbeeren (nur getrocknete Beeren!)
  • Kartoffeln
  • Karotten
  • Reis
  • Zwieback

Äpfel, Bananen und Heidelbeeren

Sowohl Äpfel als auch Bananen enthalten den Ballaststoff Pektin, der Wasser bindet. Quillt das Pektin im Darm auf, kann es Flüssigkeit aufnehmen und dadurch dem Stuhl eine festere Konsistenz geben.
Um möglichst viel von diesem Ballaststoff aus dem Apfel zu gewinnen, muss die Schale verwendet werden. Reiben Sie dazu den kompletten Apfel (ohne Kerngehäuse)! Wenn Sie täglich etwa drei Äpfel essen bei Durchfall, so sollte sich die Darmtätigkeit bald wieder normalisieren.
Pürierte oder zerdrückte Bananen versprechen einen ähnlichen Erfolg wie Äpfel, wobei sie zusätzlich mit einer guten Portion Kalium punkten. Kalium ist auch einer der wesentlichen Bestandteile der Elektrolytmischung.
Neben dem Durchfall lindernden Heidelbeertee können getrocknete Beeren auch im Haferflockenbrei verwendet oder einfach gekaut werden. Es dürfen allerdings nie frische Heidelbeeren sein, da diese abführend wirken.

Haferflocken und Zwieback als Schonkost

Die leicht verdaulichen Haferflocken belasten das gerade empfindlich gestörte Magen-Darm-System in keinster Weise. Dieses Getreide hat es nämlich hinsichtlich der Genesung in sich: Viele Ballast- und Mineralstoffe sowie die Vitamine B1 und E unterstützen den geschwächten Körper. Zudem sind Haferflocken vielseitig einsetzbar.

Rezept für einen Haferbrei (Porridge)

Für einen morgendlichen Haferbrei (auch Porridge) benötigt man zwei Esslöffel Haferflocken auf zwei Tassen Wasser. Das Ganze wird zunächst aufgekocht. Danach darf es so lange köcheln bis die Flocken weich sind. Um den Geschmack zu verbessern, können geriebene Äpfel oder getrockneten Heidelbeeren hinzugegeben werden.

Rezept für eine Haferflockensuppe

Wer es lieber herzhaft mag, kann die Haferflocken auch in einer Suppe verarbeiten. Grundlage ist eine Gemüsebouillon aus 250 Millilitern Wasser, einem Teelöffel Instant-Brühe und etwas Salz. Für diese Menge nimmt man zwei Esslöffel Haferflocken und lässt alle Zutaten köcheln.
Der klassische Zwieback hilft als Essen bei Durchfall ebenso gut wie Haferflocken. Durch das zweimalige Backen ist er besonders magenfreundlich und sollte deshalb immer pur gegessen werden. Als Alternative bietet sich trockenes Weissbrot an.

Gut zu wissen

Salzstangen gelten als idealer Snack bei Durchfall. Nach medizinischem Wissen sind sie jedoch nicht optimal. Das Salz ist in zu geringer Menge vorhanden, um den Natriumverlust wieder auszugleichen. Der Kaliumhaushalt kann damit ebenso wenig aufgebessert werden. Dennoch können Salzstangen bei Durchfall verzehrt werden, da sie die Verdauung nicht sehr strapazieren.

Karotten zur Linderung von Durchfall

Karotten enthalten ebenso wie Äpfel Pektin, welches die Flüssigkeit im Magen-Darm-Trakt bindet. Dafür darf dieses Gemüse allerdings nicht ungekocht verzehrt werden, da Rohkost die Verdauung erschwert. Beim Kochen der Karotten werden zudem Oligosaccharide (Zuckermoleküle) erzeugt, die sich positiv auf die Linderung von Diarrhö auswirken.

Rezept für eine Karottensuppe nach Moro

Ein bewährtes Essen bei Durchfall ist die Karottensuppe des Heidelberger Arztes Ernst Moro. Kochen Sie 500 Gramm klein geschnittene Karottenstücke in einem Liter Wasser. Nach einer Stunde Kochzeit wird die Suppe püriert und mit so viel Wasser aufgefüllt, dass wieder ein Liter Bouillon im Topf ist. Geben Sie anschliessend einen Teelöffel Salz hinzu (entspricht etwa drei Gramm).

Kartoffeln und Reis

Kartoffeln gehören zur klassischen Schonkost, weil sie leicht verdaulich sind. Zudem steckt ein guter Anteil Kalium in ihnen, was sich bei Durchfall positiv auf die Genesung auswirkt. Ihre Zubereitung ist ganz einfach: Entweder werden sie nur in Wasser gekocht oder anschliessend noch püriert. Ein wenig Salz unterstützt auch hier den Elektrolythaushalt.
Selbstverständlich können Kartoffeln auch in einer Gemüsebouillon als Beilage verwendet werden. Beim Schälen der Kartoffeln sollte unbedingt auf grüne Stellen geachtet werden, die zu Durchfall oder anderen Verdauungsproblemen führen können. Schneiden Sie diese grosszügig weg!
Der typische Effekt beim Kochen von Reis, nämlich die Schleimbildung, lässt sich bei Durchfall ausnutzen. Im Körper wird dadurch Wasser gebunden und der Stuhl verdickt. Als ideales Essen bei Durchfall kann gekochter Reis mit Salz oder gedünsteten Karotten geschmacklich aufgewertet werden.

Gut zu wissen

Schonkost bedeutet auch den Verzicht auf Gewürze. Um eine Durchfallerkrankung schnell und zuverlässig lindern zu können, sollten Sie auf jegliche Art von Gewürzen verzichten. Lediglich ein wenig Salz kann den Speisen zugegeben werden.

Welche Lebensmittel sollten bei Durchfall vermieden werden?

Selbstverständlich gibt es neben den geeigneten Lebensmitteln bei Durchfall auch solche, die der Verdauung zusätzlich zu schaffen machen. Einige Nahrungsmittel können Diarrhö sogar fördern und sollten deshalb gemieden werden.
Auf folgende Lebensmittel und Getränke sollte bei Durchfall verzichtet werden:
  • Alkohol
  • Koffeinhaltige Getränke
  • Milchprodukte
  • blähende Speisen
  • Vollkornprodukte
  • fettige Nahrungsmittel und Speisen
  • Rohkost
  • scharfe Gerichte
  • süsse Lebensmittel und Speisen
Dass Alkohol während einer Diarrhö ungeeignet ist, steht ausser Frage. Er würde dem geschwächten Organismus zusätzlich Flüssigkeit, Mineralstoffe und Vitamine entziehen. Bei Kaffee oder Cola ist es nicht der Flüssigkeitsentzug, der den Betroffenen schwächt, sondern die Reizung der Darmtätigkeit. Dadurch könnte sich der Durchfall verstärken.
Zucker in grossen Mengen ist ebenfalls für eine vermehrte Flüssigkeitsabsonderung verantwortlich. Greifen Sie lieber zu Honig oder verzichten Sie bei Speisen auf die Süsse!

Gut zu wissen

Im Volksmund wird Cola bei Durchfall empfohlen. Mediziner raten aufgrund des hohen Zucker- und Koffeinanteils ab, da einerseits der Wasserhaushalt gestört wird und Koffein abführend wirken kann. Die Kombination aus Koffein und Zucker ist darüber hinaus für eine vermehrte Ausscheidung des wichtigen Elektrolyts Kalium verantwortlich.
Der in Milchprodukten enthaltene Milchzucker kann bei Durchfall nur schlecht verdaut werden und fördert damit die Frequenz des Stuhlgangs. Der zum Teil recht hohe Anteil an Fett in Milchprodukten wirkt sich ebenfalls ungünstig aus. Fett hat zudem eine Abführwirkung, weshalb auf alle fettigen Essen bei Durchfall verzichtet werden soll.
Verschiedene Lebensmittel sind für den Magen-Darm-Trakt schwer verdaulich und belasten den Organismus bei einer Diarrhö zu stark. Dies gilt für alle Vollkornprodukte, blähendes Gemüse (z. B. Kohl und Zwiebeln), Hülsenfrüchte sowie Rohkost. Scharf gewürzte Speisen und Lebensmittel (z. B. Peperoni) sind in Tagen von Diarrhö ebenfalls tabu, da dies die Magenschleimhäute reizen würde.

Fazit: Bei Durchfall ist viel trinken wichtig

Eine Diarrhö ist in vielen Fällen mit den richtigen Nahrungsmitteln in ein bis drei Tagen überstanden. Das Essen bei Durchfall kann aus warmen oder kalten Mahlzeiten bestehen, die leicht verdaulich sind.
Wichtig ist dabei, die verloren gegangene Flüssigkeitsmenge und die fehlenden Elektrolyte wieder zu sich zu nehmen. Mit der doppelten Trinkmenge gewöhnlicher Tage und durch Zugabe von Nährsalzen wird die Heilung voranschreiten und Sie können schon bald wieder aktiv am Leben teilnehmen.

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