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Spitalzusatzversicherungen: Sind die älteren Kunden Milchkühe und was können sie dagegen tun?

Viele ältere Halbprivat- und Privatversicherte sind die Milchkühe des Gesundheitswesens: Das ist eine unserer Erkenntnisse aus unserer Artikelserie zu den Spitalzusatzversicherungen. Mehr erfahren Sie in diesem Artikel – nützliche Tipps und vor allem Handlungsmöglichkeiten inklusive.

Sind die älteren Halbprivat- oder Privatversicherten die Milchkühe der Krankenkassen? Sind die älteren Halbprivat- oder Privatversicherten die Milchkühe der Krankenkassen?
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Helvetic Care am 30.8.2022

Generelle Erkenntnisse

Es fehlt an Transparenz

Helvetic Care hat in ihrer Artikelserie aufgezeigt, dass die halbprivate und private Zusatzversicherung im Alter sehr teuer werden kann und die Versicherer zu vermehrter Transparenz aufgerufen. Leider hat nur einen Teil davon ihre Tarife offengelegt. Auch liefern längst nicht alle Prämienrechner der Krankenkassen ein umfassendes und transparentes Bild.

Versicherte müssen selbst handeln

Vielen Halbprivat- und Privatversicherten ist nicht bewusst, dass die Prämien im Alter teilweise massiv steigen. Auch wird in der Finanzplanung im Hinblick auf die Pensionierung diesem Aspekt kaum Rechnung getragen. Helvetic Care ruft die Versicherten dazu auf, diese Transparenz für sich selbst bei ihrem Versicherer einzuverlangen. Davon haben bis anhin über 800 Menschen Gebrauch gemacht.

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Nutzenversprechen im Sinkflug

Helvetic Care hat im Weiteren aufgezeigt, dass das ursprüngliche Versprechen einer umfassenden Deckung zunehmend ins Wanken geraten ist. Einer- und Zweierzimmer, alternative Versicherungsmodelle, ambulante Operationslisten und vertragslose Zustände verringern den Deckungsumfang und engen die Freiheit der Arzt- und Spitalwahl stetig weiter ein.

Neue Nutzenversprechen: Therapien werden personalisierter – individuelle Bedürfnisse wachsen

Die pharmazeutischen und medizinischen Behandlungsmöglichkeiten werden immer mehr auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Eine Zunahme der sogenannten «personalisierter Medizin» ist leicht feststellbar und stark am Wachsen. Zudem sind die Menschen bereit in das «wichtigste Gut», ihre Gesundheit, auch entsprechend viel zu investieren. Doch sind die bestehenden Halbprivat- oder Privatversicherungen noch die richtige und verhältnismässige Antwort darauf oder müssten nicht mehr alternative und auch auf der Versicherungsseite individualisierte Lösungen gefunden werden?

Intervention der Finma führt wohl kaum zu Prämiensenkungen

Die Finanzmarktaufsicht Finma schritt ein, weil gewisse Leistungen bei Spitalaufenthalten doppelt verrechnet werden, zulasten der Halbprivat- und Privatversicherten. Ebenfalls fordert die Finma mehr Transparenz im Gesundheitswesen und die Fokussierung auf echte Mehrleistungen in den Verträgen zwischen Versicherern und Leistungserbringern.
Krankenversicherungen, Spitäler und Ärzte versuchen zurzeit diese Forderungen umzusetzen. Ergebnisse werden frühestens 2024 erkennbar sein. Fraglich ist für Helvetic Care, ob dies zu Prämiensenkungen führen wird.

Es fehlt an neuen Produkten

Die Krankenversicherer haben bis anhin keine neuen Produkte lanciert, die das Grundproblem für die bestehenden Versicherten lösen. Im Gegenteil: Sie versuchen mit neuen Produkten Kapital aus der jungen Generation zu schlagen und lassen die bisherigen Versicherten im Regen stehen. Auch bieten sie die aktuellen Halbprivat- und Privatversicherung der jungen Klientel unverändert an.

Versicherte als «Milchkühe»

Die Halbprivat- und Privatversicherten stehen - ausgedienten Milchkühen gleich - weiterhin für die Gewinne im Gesundheitswesen ein und werden kräftig weiter gemolken. Trotzdem erhalten sie immer weniger Leistungen.

Erkenntnisse zu den Versicherern

Bei wem bin ich wie versichert?

Es gibt sowohl aus der Optik der finanziellen Belastung als auch aus Optik der Grundhaltung der Versicherer fundamentale Unterschiede.
Wenn Sie in einem Produkt ohne Schlussalter sind, dann ist erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt. Denn dann steigen die finanziellen Belastungen im Alter stetig weiter an.
Die Prämiendifferenzen von Versicherer zu Versicherer sind teilweise enorm. Helvetic Care wird in einem nächsten Artikel einige konkrete Beispiele darstellen.

Politik des Versicherers?

Einen aktiven, bewussten und schonungsvollen Umgang mit den älteren Versicherten scheinen jene zu führen, die der Helvetic Care AG die Prämien zur Verfügung gestellt haben. Es sind dies AXA, Concordia, Groupe Mutuel, ÖKK und Swica. Bei allen anderen sollten Sie sich aktiv erkundigen. Drei Versicherer sind hier speziell positiv erwähnt:
Die Soziale: Die Concordia führt für die bestehenden Kunden einen Prämientarif im Alter der sehr günstig ist. Sie hat der Helvetic Care geschrieben, dass der aktive Umgang mit den alternden Versicherten für sie sehr wichtig sei. Sie würden Wert darauf legen, dass die Prämien auch im Alter bezahlbar bleiben.
Die Transparente: Die Swica führt einen Tarif, bei dem sich die 50 bis 60 Jährigen aktiv und bewusst entscheiden müssen, ob sie eine im Alter konstante Prämie oder eine die sich mit dem Alter anpasst wählen. Die Prämie kann aber im hohen Alter bei Swica auch massiv steigen.
Die Offene und Zukunftsfähige: Die Groupe Mutuel ist die einzige Versicherung, die alle Formen der Lebens- und Krankenversicherung aktiv anbietet. Sie hat klar zum Ziel, neue Produkte zwischen Kranken- und Lebensversicherungen anzubieten. Zudem bietet sie mit «Hôpital Senior» ein Produkt an, das auch im hohen Alter noch abgeschlossen werden kann. Bei den anderen Versicherern ist das nach dem 60. Altersjahr in der Regel nicht mehr möglich.
Klar, dass man gesund sein muss. Aber: Es bietet für diese Versicherten eine - auch finanziell - sehr attraktive Alternative. Wir werden dieses Produkt in einem nächsten Artikel darstellen und Ihnen den Zugang zu diesem Angebot ermöglichen.

3. Was kann, was soll ich tun?

Aktiv abwarten?

Aktiv abwarten empfiehlt Helvetic Care insbesondere den älteren Versicherten, die krank sind, sich krank fühlen und jenen, die sich in einem «alten», meist geschlossenen Produkt mit konstanter Prämie im Alter befinden.

Versicherung reduzieren und sparen?

Den etwas risikofreudigeren älteren Menschen (und jenen, die es sich schlicht nicht mehr leisten können oder wollen) empfiehlt Helvetic Care, die Versicherung auf ein sogenanntes Flex-Produkt zu reduzieren und die eingesparten Mittel für sich selbst auf die Seite zu legen.
Bei diesen Versicherungen können Sie sich gegen einen Aufpreis (selbst erspartes Guthaben?) im Fall des Eintritts in ein Spital für eine Behandlung auf der halbprivaten oder privaten Spitalabteilung entscheiden. Solche Flex-Deckungen führen praktisch alle Versicherungen und sie sind (noch) wesentlich günstiger. Erkundigen Sie sich aber auch da über den Prämienverlauf im Alter!
Helvetic Care empfiehlt die Reduktion der Versicherungsdeckung nur dann, wenn Sie für sich selbst ein Sparguthaben anlegen. Der Vorteil liegt zudem darin, dass dieses Sparguthaben - sollten Sie es nicht gebrauchen - Ihnen gehört und nicht dem Versicherer.

Nachfragen und abwarten

Fragen Sie ihren Versicherer, ob und wann er neue Produkte auf den Markt bringt. Wenn Sie überzeugt sind, dass Ihr Versicherer rasch neue Produkte lancieren wird, dann empfiehlt Ihnen die Helvetic Care AG, mit der Deckungsreduktion noch zuzuwarten.
Sie werden aus der Halbprivat- oder Privatversicherung dereinst ein Übertrittsrecht haben (zumindest müsste der Versicherer Ihnen das ermöglichen). Aus der Produktelinie Flex werden Sie dereinst keine derartigen Übertrittsrechte geltend machen können.

Wechsel vornehmen?

Helvetic Care empfiehlt allen Versicherten, die sich gesund fühlen und die sich in einem Produkt mit steigenden Prämien im Alter befinden, einen Wechsel in das Produkt «Hôpital Senior» der Groupe Mutuel zu prüfen. Dies ist derzeit die einzige Spitalzusatzversicherung, die kein Höchsteintrittalter kennt. Ausserdem ist sie für Seniorinnen und Senioren vergleichsweise günstig.

Neu eine halbprivate oder private Versicherung abschliessen?

Helvetic Care mahnt jene Versicherte, die neu eine halbprivate oder private Versicherung abschliessen wollen, zur Vorsicht:
  • Schauen Sie genau hin, bei welchem Versicherer Sie sich versichern lassen.
  • Lassen Sie sich die Prämienentwicklung im Alter aufzeigen und überlegen Sie, ob Sie sich das im Alter leisten können oder wollen.
  • Überprüfen Sie, ob die freie Arzt- und Spitalwahl seitens des Versicherers effektiv gewährt und in Zukunft sichergestellt ist.
  • Überlegen Sie sich Handlungsoptionen (vgl. Flex-Produkte mit eigenem Sparanteil).
  • Prüfen Sie das Angebot «Hôpital Senior» der Groupe Mutuel.

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