Barrierefreiheit: Wie die eigene Wohnung altersgerecht wird
HomearrowDaheim

Barrierefreiheit: Wie die eigene Wohnung altersgerecht wird

Trotz Bewegungseinschränkungen und Unsicherheiten im Gang können Senioren sicher und glücklich im eigenen Zuhause leben. Das Zauberwort für altersgerechtes Wohnen lautet Barrierefreiheit. Ein paar Umbaumassnahmen genügen meist für ein seniorenfreundliches Daheim.

image
image

Helvetic Care am 25.6.2021


Das Wichtigste in Kürze

  • Barrierefreiheit ermöglicht ein hindernisfreies Leben in den eigenen vier Wänden.
  • Stolperfallen und komplizierte Einrichtungen werden gegen altersgerechte Alternativen ausgetauscht.
  • Jedes Zimmer kann barrierefrei gestaltet werden.
  • Auf diese Weise ist ein entspanntes und risikofreies Leben im Alter auch Zuhause möglich.
  • Sport, Bewegung und Physiotherapie sorgen für mehr Sicherheit im Gang und somit in der Wohnung.

Was bedeutet Barrierefreiheit im eigenen Zuhause?

Im hohen Alter in der gewohnten Umgebung zu leben, ist der Wunsch der meisten Menschen. Über die Jahre wurde die eigene Wohnung zum eigenen kleinen Reich, das voller Erinnerungen und persönlicher Dinge steckt. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Senioren auch mit körperlichen Einschränkungen Zuhause leben und sich selbst versorgen können.
Selbstbestimmt zu leben tut gut und fördert die eigenen Ressourcen. Die Bewegung, Eigenverantwortung und Lebensfreude werden erhalten und gestärkt. Um bei Unsicherheiten im Gang und Gleichgewicht trotzdem sicher in den eigenen vier Wänden zu leben und Barrierefreiheit zu geniessen, werden potenzielle Gefahren und schwierige Hindernisse in der Wohnung beseitigt. Seniorengerechte Alternativen sorgen für Komfort und ein entspanntes Wohnen ohne Sturzgefahr.
Bei der Barrierefreiheit geht es primär um Schutz. Unfälle und gefährliche Situationen zu vermeiden, ist die Grundvoraussetzung für ein seniorenfreundliches Wohnen im eigenen Daheim. Entsprechende Umbaumassnahmen und Einrichtungsmöglichkeiten zielen darauf ab, auch im Alter ohne Hilfe und selbstbestimmt zu leben. Der Alltag wird erleichtert, während die Mobilität gefördert wird. Die Unabhängigkeit ist für beide Seiten wichtig und entlastet Angehörige.
Jetzt kostenlos anmelden

Gut zu wissen

Handelt es sich beim Zuhause um ein Eigenheim, steigt sogar der Wert der Immobilie durch den Umbau.

Wie gestaltet man die Wohnung barrierefrei?

Barrierefreiheit ist in jedem Zimmer möglich und wichtig. Nur wenn jeder Bereich der Wohnung sicher und einfach begehbar und bewohnbar ist, ist diese altersgerecht. Es ist deshalb wichtig, alle Gefahrenquellen zu identifizieren und anzugehen. Mittlerweile gibt es individuelle Lösungen für jeden Raum und jedes Bedürfnis, sodass Senioren das Zuhause rundum auf sich und ihre Situation abstimmen können.
Die nachfolgenden Punkte sind die häufigsten Barrieren, die es im Alter zu beseitigen gilt. Analysieren Sie die Wohnung gründlich und machen Sie möglichst alle Gefahrenquellen aus, die ihnen ein unabhängiges und komfortables Leben erschweren. Die Ansprüche sind so individuell, wie die Senioren selbst. Achten Sie daher auch auf weitere Punkte, die Ihnen im Alltag auffallen.

Guter Tipp

Fangen Sie rechtzeitig mit dem Umbau an, um bei Bedarf einer barrierefreien Wohnung vorbereitet zu sein. Das spart Stress und fördert schon früh den eigenen Schutz und die Mobilität. Zu früh gibt es im Hinblick auf die Barrierefreiheit nicht. Selbst jüngere Generationen und fitte Senioren profitieren vom erhöhten Komfort im Zuhause.

Barrierefreiheit im Allgemeinen

Die Fenster müssen in der gesamten Wohnung einfach zu öffnen sein, Lichtschalter und Türgriffe eine gut erreichbare Höhe haben. Platzieren Sie das Telefon so, dass Sie es mühelos erreichen. Das ist besonders in Notfällen wichtig.
Ein Notrufhilfesystem ist eine wertvolle Ergänzung. Laute Klingeln helfen bei Hörproblemen und sind auch bei lautem Fernsehen hörbar.

Barrierefreiheit im Eingangsbereich

Treppen und Türschwellen können schnell zur Herausforderung werden und ältere Menschen daran hindern, regelmässig das Haus zu verlassen. Handläufe erleichtern das Treppensteigen, sind jedoch in manchen Fällen nicht ausreichend. Rampen und Treppenlifte machen das Überwinden einfacher. Eventuell macht für Ihre Wohnsituation auch ein Hublift im Aussenbereich Sinn.

Guter Tipp

Auch Türschwellen innerhalb der Wohnung müssen beachtet werden. Kleine Rampen ermöglichen ein sicheres Betreten des Balkons. Die Türen selbst müssen breit genug sein, um bei Bedarf mit dem Rollator hindurchzukommen. Fussabstreifer in den Boden einzulassen, beugt einem Verrutschen vor.

Barrierefreiheit im Wohnzimmer

Das Sofa ist die Wohlfühloase der Wohnung. Ein hohes Modell hilft Senioren dabei, sich einfach und bequem hinzusetzen und wieder aufzustehen. Niedrige Modelle erfordern mehr Kraft und Gleichgewichtig und sind somit weniger komfortabel und sicher. Standfeste Möbel verhindern ein Wegrutschen beim Aufstützen und bieten die Möglichkeit, sich festzuhalten.
Schränke auf Augenhöhe helfen, jederzeit an alle wichtigen Dinge heranzukommen, ohne auf Zehenspitzen oder gar eine kleine Trittleiter stehen zu müssen. Prinzipiell gilt: Weniger ist mehr. Umso mehr Platz Sie haben, umso mehr Bewegungsfreiheit und Barrierefreiheit geniessen Sie Zuhause.

Barrierefreiheit im Schlafzimmer

Auch das Bett sollte hoch genug sein, um gut ein- und aussteigen zu können. Medizinische Betten bieten zusätzlichen Komfort und Schutz. Der Lattenrost sowie das Kopf- und Fussteil lassen sich verstellen, ein Haltegriff dient zum Hochziehen.
Niedrige Kleiderschränke oder Kommoden sind praktisch, da auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen gut an all ihre Kleider herankommen. Damit Sie nachts nicht im Dunkeln zum Lichtschalter laufen müssen, wenn Sie auf die Toilette gehen müssen, ist eine Nachttisch- oder eine Nachtlampe ratsam.

Barrierefreiheit im Bad

Wasser und glatte Fliesen machen das Bad zum wichtigsten Umbauort in Hinsicht der Barrierefreiheit. Die tägliche Körperhygiene selbstständig und ohne Stürze oder Hilfe betreiben zu können, ist für ein unabhängiges und sicheres Leben im Alter essenziell. Eine Dusche ist einer Badewanne stets vorzuziehen, da der Einstieg einer Badewanne hoch ist. Ebenerdige Modelle ersparen das Überwinden von Schwellen und das damit verbundene und gefährliche Balancieren auf einem Bein.
Haltegriffe im gesamten Bad sind eine wichtige Investition in die eigene Sicherheit. Fällt das Stehen schwer oder der Kreislauf ist wackelig, sorgt ein Duschhocker für Entlastung. Badematten verringern die Rutschgefahr deutlich. Diese sollten jedoch hochwertig und wirklich rutschfest angebracht sein.

Hohes WC und grosses Waschbecken

Umso höher das WC, umso einfacher ist es zu benutzen. Es gibt spezielle Plastiksitze zum Aufsetzen auf das vorhandene WC, so muss dieses nicht erneuert werden. Einige Modelle besitzen sogar Haltegriffe und sind so geformt, dass Sie noch sicherer Sitzen als auf einem herkömmlichen WC-Sitz.
Ein grosses Waschbecken und ein Spiegel auf einer angenehmen Höhe unterstützen bei der täglichen Körperpflege. Helle Beleuchtung ist wichtig, um nasse Flecken am Boden zu entdecken und nicht auf diesen auszurutschen.

Barrierefreiheit in der Küche

Bei einer barrierefreien Küche steht die gute Erreichbarkeit aller Kochutensilien im Fokus. Arbeitsplatten sind auf eine Höhe anzubringen, die auf die eigene Körpergrösse oder den Rollstuhl abgestimmt ist. Praktisch sind auch höhenverstellbare Arbeitsplatten und Kochstellen. Eine Sitzgelegenheit ist wichtig. Vor allem deshalb, weil der Kreislauf durch die Wärme der Küche besonders belastet werden kann.

Guter Tipp

Achten Sie auf einfach anwendbare Kochutensilien. Komplizierte Dosenöffner und Küchengeräte erschweren das Kochen unnötig. Abschaltautomatiken bei Herd und elektronischen Geräten schaffen Schutz vor Bränden.

Zusätzliche Barrierefreiheit durch Sturzprophylaxe

Mit ein paar einfachen Tricks lassen sich Stürze vermeiden. Bereits günstige Optionen machen die Wohnung noch barrierefreier und angenehmer für Senioren. Sturzprophylaxe und das Verhindern von Unfällen ist das A und O für ein altersgerechtes Wohnen in gewohnter Umgebung. Passen Sie daher jeden Raum an Ihre Lebenssituation und Ihre Mobilität an. Mit diesen Tipps klappt das günstig und effizient:
  • rutschfeste Teppiche
  • Bewegungsmelder
  • Ungebrauchtes loswerden

Rutschfeste Teppiche

Eine grosse Gefahr sind vor allem verrutschende Teppiche. Diese sollten deshalb in der ganzen Wohnung rutschfest verlegt werden. Kabel durch Kabelkanäle abzudecken verhindert ein Hängenbleiben mit dem Fuss. Helle Lichtquellen sind ein Muss für ein sicheres Zuhause für Senioren. Liegen Steckdosen in schwer erreichbaren Ecken, schaffen Verlängerungskabel Abhilfe.

Bewegungsmelder

Bewegungsmelder beleuchten das Zimmer, ohne zuvor zum Lichtschalter gehen zu müssen. Auch die Kleidung trägt zur Barrierefreiheit bei. Wählen Sie stets Kleidung, die gut sitzt und nicht zu lang ist. Zu lange Hosen, Röcke und Ärmel machen den Gang und das Greifen unsicher.

Ungebrauchtes loswerden

Sich von ungebrauchten Gegenständen und Möbeln zu verabschieden schafft Platz und Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Dinge für den regelmässigen Gebrauch sollten hingegen gut erreichbar platziert werden. Dazu gehören zum Beispiel Gehhilfen und Einkaufstaschen.

Fit halten macht sicherer

Die Wohnung umzubauen und barrierefrei und seniorenfreundlich zu gestalten ist von zentraler Bedeutung für ein selbstbestimmtes Leben. Senioren können jedoch auch selbst viel dazu beitragen, sicher im eigenen Heimathafen zu wohnen. Sport und Bewegung erhalten die Mobilität, stärken die Muskeln und sorgen für mehr Beweglichkeit. Das wiederum macht den Gang und somit das Wohnen sicherer.
In der Physiotherapie und Ergotherapie lernen ältere Menschen, wie sie ihre Muskulatur stärken und alltägliche Aufgaben einfacher erledigen können. Die Therapeuten geben Tipps, wie das Bewältigen der Aufgaben auch trotz Einschränkungen gut und sicher gelingt.

Guter Tipp

Möchten Sei nicht alleine Sport machen, dann fragen Sie Ihren Arzt nach einer geeigneten Sportgruppe für Senioren. Eventuell verschreibt er Ihnen die Massnahme sogar, sodass sie für Sie kostenlos oder günstiger ist. Vielleicht knüpfen Sie dabei zusätzlich nette neue Kontakte.

Barrierefreiheit: Das sollten Sie vor dem Umbau beachten

Handelt es sich nicht um ein Eigenheim, sondern eine Mietimmobilie, muss der Vermieter vor grossen Umbaumassnahmen um Erlaubnis gefragt werden. Wer das versäumt, muss eventuell den Umbau auf eigene Kosten wieder rückgängig machen.
Die Firma, die den Umbau durchführt, muss professionell und erfahren sein. Nur so ist die maximale Sicherheit gewährleistet. Auch wenn Freunde und Familie den Umbau anbieten, besitzt eine spezialisierte Firma mehr Expertise und weiss besser, worauf sie achten muss. Ausserdem sind Kunden abgesichert, falls es zu Schäden beim Umbau kommen sollte.

Guter Tipp

Es lohnt sich, verschiedene Angebote von mehreren Firmen einzuholen. Durch das Vergleichen lässt sich unter Umständen eine Menge Geld sparen.
Achtung: Lieber etwas mehr bezahlen, als am falschen Ende zu sparen. Es geht immerhin um die eigene Sicherheit. Bewertungen im Internet können bei der Auswahl der richtigen Firma helfen.

Häufige Fragen zur Barrierefreiheit in der eigenen Wohnung

Gibt es finanzielle Förderung für den altersgerechten Umbau der Wohnung?

Über die Invalidenversicherung (IV) können Berechtigte Fördergelder beantragen. Jeder Kanton hat dabei seine eigenen Vorgaben und Regeln. Eine Beratungsstelle in der Nähe beantwortet alle Fragen und hilft beim Stellen des Antrags.

Was sind weitere Vorteile von Barrierefreiheit?

Haben Sie gerne Ihre Enkelkinder oder Urenkel zu Besuch? Auch für Kinder ist eine barrierefreie Wohnung toll und sicherer. Das Versorgen Ihrer Liebsten fällt Ihnen zudem leichter. Auch andere Senioren wie Freunde und Verwandte können sich einfacher in der Wohnung bewegen, wenn diese barrierefrei ist.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Umbau?

Kurz gesagt: immer! Steht ohnehin ein Umbau der Wohnung an, kann dieser Schritt gleich miteinbezogen und die Wohnung barrierefrei gestaltet werden. Auch, wenn dies noch nicht notwendig ist. Barrierefreiheit bedeutet mehr Komfort, was für jeden angenehm ist. Tritt der Bedarf nach Barrierefreiheit dann ein, ist diese bereits vorhanden.

Fazit: Barrierefreiheit ist persönliche Freiheit

Mit der Barrierefreiheit bekommen Senioren ein grosses Stück persönliche Freiheit zurück. Sie können selbstbestimmt und ohne oder mit nur wenig Hilfe ein unabhängiges Leben im gewohnten Umfeld führen. Einige der Massnahmen sind sogar günstig und einfach umzusetzen.
Mit dem Umbau und dem Beseitigen von Gefahrenquellen wird die Mobilität erhalten und Stürzen vorgebeugt. Betroffene und Angehörige werden entlastet und das Wohnen wird nebenbei komfortabler und einfacher. Dadurch können Senioren bis in ein hohes Alter, bestenfalls sogar ihr Leben lang, im eigenen Zuhause leben und ihren geliebten persönlichen Rückzugsort geniessen.
Wichtig ist, dass jedes Zimmer barrierefrei gestaltet wird und auch individuelle Problemzonen in der Wohnung behoben werden. Barrierefreiheit bedeutet, die Wohnung an die neue Lebenssituation anzupassen und so lange, sicher und gemütlich darin wohnen zu können, wie möglich. Vor dem Umbau ist der Kontakt zum Vermieter, der Invalidenversicherung und mehreren Handwerksfirmen ratsam, um Fehler zu vermeiden und Geld zu sparen.

Tags

  • Daheim
  • Wohnen
  • Ratgeber