Achtung, mit Ihrer Rente können Sie sich immer weniger leisten

Steht Ihre Pensionierung bevor? Dann haben wir schlechte Nachrichten für Sie. Mit Ihrer Rente können Sie sich wohl immer weniger leisten. Deshalb ist es umso wichtiger, privat vorzusorgen. Wie Sie das am besten anstellen, verraten wir Ihnen im Interview mit Vorsorgeberater Tobias Flury.

Achtung, mit Ihrer Rente können Sie sich immer weniger leisten
Baloise

Herr Flury, sorgen die Schweizerinnen und Schweizer gut fürs Alter vor?
Tobias Flury:
Grundsätzlich schon. Herr und Frau Schweizer übernehmen in ihrer Altersvorsorge viel Eigenverantwortung. Ich bin aber überzeugt, dass es noch besser geht. In Zukunft wird es immer wichtiger sein, mehr zu machen.

Warum?
Unsere Vorsorge steht vor verschiedenen Herausforderungen. Die Demografie führt dazu, dass der Anteil an Rentnern gegenüber den Berufstätigen grösser wird. Auch die Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Dazu kommt, dass das weiterhin tiefe Zinsumfeld es der AHV und den Pensionskassen schwierig macht, die notwendige Rendite zu erreichen. Und hat man später eine Rente, ist diese zwar lebenslänglich garantiert, allerdings gibt es darauf keinen Teuerungsausgleich. Wenn die Güter aufgrund der Inflation teurer werden, führt dies zu einem Kaufkraftverlust. Will heissen, man kann sich mit seiner Rente weniger leisten.

Was kann man denn dagegen tun?
Es gilt, das eigene Vermögen intelligent anzulegen – am besten mithilfe eines Experten, da es sich um ein komplexes Feld handelt. Geldanlegen lohnt sich auch, wenn man bereits pensioniert ist. Ich empfehle eine ähnliche Anlagestrategie, wie sie die Pensionskassen anwenden. Das heisst, das Portfolio ist möglichst breit abgestützt. So hält sich das Risiko in Grenzen und man kann einem Kaufkraftverlust entgegenwirken.

Doch nicht jeder, der ins Pensionsalter kommt, hat so viel Geld auf der hohen Kante.
Das ist richtig. In diesen Fällen ist die Wahl einer lebenslang sicheren Pensionskassenrente sicherlich wertvoll. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir Schweizerinnen und Schweizer zum Zeitpunkt der Pensionierung meist unser grösstes Vermögen angespart haben.

Und dieses Vermögen sollte man anlegen?
Ja, aber es ist wichtig, dass man genügend flüssige Mittel auf der Seite hat – also Geld, das für sofortige Zahlungen bereitsteht. Die passende Höhe dieser Reserve ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Mit einem regelmässigen Renteneinkommen und stabilen Ausgaben mögen zwei Monatsbudgets reichen. Für Immobilienbesitzer oder für Pensionierte, welche regelmässig aus dem Vermögen leben müssten, würde ich eine deutlich höhere Reserve empfehlen. Denn es gibt immer mal wieder unvorhergesehene Ausgaben, die sich natürlich von Person zu Person unterscheiden.

Über Tobias Flury und die Pensionsplanung

Tobias Flury (rechts) bietet für seine Kunden Pensionsplanungen an, damit sie ihr Alter finanziell sorgenfrei geniessen können.

Tobias Flury (rechts) bietet für seine Kunden Pensionsplanungen an, damit sie ihr Alter finanziell sorgenfrei geniessen können.

Tobias Flury ist seit 13 Jahren als Pensions- und Finanzplaner tätig. Bei der Baloise ist er zurzeit Leiter Vorsorge & Vermögen/Private Banking für die Region Zürich, Ost- & Zentralschweiz. Unter anderem bieten Tobias Flury und sein Team Pensionsplanungen für 750 Franken an, die in der Regel 1 bis 5 Jahre vor der Pensionierung stattfinden. An zwei Beratungsterminen geht es unter anderem um folgende Themen:

  • Analyse der Pensionierungssituation
  • Aufzeigen des Pensionierungsbedarfs
  • Erarbeiten von Pensionierungsmassnahmen mit Empfehlungen und Massnahmenplan
  • Zeitpunkt der Pensionierung
  • Entscheid Rente oder Kapital aus der Pensionskasse
  • Plan zum Beziehen der Vorsorgegelder
  • Tragbarkeit der Wohnkosten im Alter
  • Absicherung des Lebenspartners

Viele Menschen haben aber auch Lücken in der Altersvorsorge – insbesondere Frauen, die aufgrund der Kindererziehung längere Zeit nicht berufstätig sind.
Die Lücken sollten rechtzeitig geschlossen werden. Wenn etwa Frauen ihre Berufstätigkeit wieder aufnehmen, können sie mit Einkäufen in die Pensionskasse und mit dem Abschluss einer 3. Säule ihr Vorsorgeguthaben wieder aufbauen.

Droht sonst die Altersarmut?
Bei gewissen Gruppen ist die Altersarmut auch in der Schweiz ein Thema. Allerdings sind das im Gegensatz zu anderen Ländern eher Einzelfälle. Grundsätzlich funktioniert die Grundabsicherung bei uns sehr gut – man wird vom sozialen Netz aufgefangen, auch wenn man nicht so viel ansparen konnte. Natürlich kann man dann keine grossen finanziellen Sprünge machen.

Also lohnt es sich, in die private Altersvorsorge zu investieren?
Auf jeden Fall. Wenn man pensioniert wird, sind durch die Leistungen aus der AHV (1. Säule) und dem BVG (2. Säule) etwa 60 oder 70 Prozent des letzten Erwerbseinkommens gedeckt. Die Ausgaben reduzieren sich aber durch die Pensionierung nicht unbedingt. Vielleicht steigen sie sogar, weil man ja mehr Zeit oder gesundheitliche Probleme hat. Nicht nur aus diesem Grund lohnt es sich, frühzeitig in die 3. Säule – also in die private Vorsorge – zu investieren. Wer einen Teil seines Lohnes in die Altersvorsorge steckt, lernt bereits während des Berufslebens, mit weniger Geld auszukommen. So hat man auch später seine Ausgaben besser im Griff. Übrigens lohnt es sich hinsichtlich auf das Alter sowieso, einen Budgetplan von seinen monatlichen Einnahmen und Ausgaben zu erstellen.

Doch nicht jeder kann sparen. Gerade wenn man Kinder hat, sind die Ausgaben enorm.
Stimmt, viele können erst richtig mit dem Sparen anfangen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ich würde vielleicht vor der Familiengründung schon in die 3. Säule investieren. Es muss kein hoher Betrag sein. Aber je früher man damit anfängt, desto mehr wächst das Sparguthaben. Ebenfalls kann man dann in etwas renditestärkere Anlagen investieren, da sich das Anlagerisiko über die Jahre minimiert.

Und wenn man erst mit 50 zu sparen anfängt, ist es dann zu spät?
Nein, dafür ist es nie zu spät. In jungen Jahren kann man einfach eine offensivere Anlegestrategie fahren. Je näher das Pensionsalter rückt, desto vorsichtiger sollte man sein. Es lohnt sich dann etwa, sich in die Pensionskasse einzukaufen, da man noch von Steuervorteilen profitieren kann.

Und wenn man in Rente kommt, ist es sinnvoll, sich das Angesparte auf der Pensionskasse auf einmal auszahlen zu lassen?
Das ist in meinen Beratungen eine der häufigsten gestellten Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. So viele Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung mit – etwa die Höhe des Altersguthabens, der Umwandlungssatz, die Familienkonstellation, die persönliche Risikobereitschaft oder die Steuerprogression in der Wohngemeinde. Hier gilt es gut abzuwägen, denn die Entscheidung ist unwiderruflich. Hat man sich etwa zu Rentenzahlung entschlossen, bleibt das auch bis zum Lebensende so. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich einen Teil des Kapitals auszahlen zu lassen und den Rest als Rente zu beziehen.

Und was raten Sie, wenn man früher in Rente gehen will?
Eine Frühpensionierung muss von langer Hand geplant werden. Man muss sich ein klares Bild von seiner finanziellen Situation machen und seine zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben gut kennen. Aus meiner Erfahrung wird der finanzielle Effekt einer Frühpensionierung eher unterschätzt. Schliesslich verdient man nicht nur weniger, man muss ja seine Vorsorgelücke auch noch ein Jahr länger schliessen. Eine Frühpensionierung muss man sich also leisten können und darauf sparen. Gerade bei Doppelverdiener-Paaren ohne Kinder ist dies durchaus ein beliebtes Wunschszenario.

Gibt es Alternativen, wenn man nicht mehr arbeiten will?
Eine andere Möglichkeit ist, das Pensum vor dem eigentlichen Pensionsalter stückweise zu reduzieren oder dass sich in einer Partnerschaft nur jene Person mit dem kleineren Einkommen frühpensionieren lässt.

Fragen rund um die Pensionierung beantworten Sie auch im Rahmen der Pensionsplanung, die die Baloise anbietet. Mit 750 Franken ist diese im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich preiswert.
Das ist tatsächlich so. Pro Kunde investieren wir etwa einen Tag Arbeit, das zeigt, dass das Honorar ein Deckungsbeitrag an den effektiven Aufwand ist. An zwei Beratungsterminen erhält der Kunde vor der Pensionierung einen vertieften Überblick über seine finanzielle Situation und konkrete Handlungsstrategien von unseren Expertinnen und Experten. Dies verhindert auch Fehlentscheide, die schnell mehr als 750 Franken kosten können.