Reicht mein Geld im Alter? Etwas wird dabei oft übersehen!
Jeder möchte im Alter ein Leben ohne finanzielle Sorgen führen. Doch reichen die Ersparnisse dafür aus? Wie man das herausfindet und was bei der Planung oft vergessen geht, verrät der Pensionsplanungsexperte Benjamin Ludwig an einem Infoevent am 21. Oktober in Zürich. Hier gibt er bereits einige Antworten.

Herr Ludwig, ich zahle seit Jahrzehnten in AHV, Pensionskasse und Säule 3a ein. Reicht das für ein sorgenfreies Alter?
Benjamin Ludwig: Ich würde gerne mit einem klaren Ja antworten – aber so einfach ist es leider nicht. Sorgenfrei heisst für mich: Die Rechnungen sind gedeckt, ohne dass man sich das Leben abgewöhnen muss, und zwar bis zum Schluss. Wie viel das kostet, ist bei jedem Menschen anders.
Viele rechnen mit dem letzten Lohn und ziehen pauschal etwas ab. Dabei fallen Ausgaben weg und neue kommen dazu: Reisen und Hobbys zuerst, Gesundheit und Betreuung später. Solange dieser Verlauf nicht auf dem Tisch liegt, lässt sich die Frage gar nicht beantworten. Deshalb beginne ich jede Planung damit.
Ab welchem Alter sollte man sich damit befassen?
Ab 50 geht es darum, Kapital aufzubauen und dabei möglichst wenig Steuern zu zahlen. Spätestens ab 60 kommt der zweite Teil dazu: die Planung, wie das Geld später wieder herauskommt. Ein Leben lang baut man Vermögen auf – ab der Pensionierung baut man es kontrolliert wieder ab. Das ist eine völlig andere Logik, und darüber wird selten gesprochen.
Wie geht man das an?
Im Kern geht es um zwei Fragen: Wann brauche ich welches Geld – und wo liegt es bis dahin? Was in den nächsten fünf Jahren gebraucht wird, bleibt auf dem Konto oder wird sehr vorsichtig angelegt. Geld, das erst in fünfzehn Jahren fällig ist, darf entsprechend langfristig arbeiten. Dazu kommen die Steuern: Auszahlungen lassen sich oft über mehrere Jahre verteilen, statt alles auf einmal zu beziehen. Das spart häufig mehr, als die meisten vermuten.
Erstmals liessen sich 2025 mehr Menschen ihr Pensionskassenguthaben auszahlen, statt eine lebenslange Rente zu wählen – 51 Prozent. Liegt das am gesunkenen Umwandlungssatz?
Erstaunlicherweise nein. Der Umwandlungssatz – also der Prozentsatz, mit dem das Guthaben in eine jährliche Rente umgerechnet wird – ist zwar spürbar gesunken. Dahinter stehen aber zwei Entwicklungen, und eine davon wird meist übersehen: Renten werden heute länger ausbezahlt als noch vor zwanzig Jahren. Ein Teil der tieferen Jahresrente ist deshalb keine Kürzung, sondern eine Streckung auf mehr Jahre.
Die zweite Entwicklung ist das gefallene Zinsniveau. Und laut der jüngsten Pensionskassenstudie nennen ohnehin nur rund 17 Prozent den Umwandlungssatz als Grund für die Auszahlung. Am häufigsten wird ein ganz anderes Motiv genannt: die grössere finanzielle Flexibilität.
Das klingt doch vernünftig.
Als Wunsch ja, und ich verstehe ihn gut. Als Plan reicht er nicht. Flexibel zu sein heisst zunächst nur, dass man jederzeit an sein Geld kommt – nicht, wie viel man monatlich entnehmen darf und was passiert, wenn man sehr alt wird. Eine Rente beantwortet das automatisch, ein Leben lang; beim Kapital müssen wir es selbst beantworten. Flexibilität ist also ein nachvollziehbares Motiv – aber noch keine Antwort auf die Fragen, die danach kommen.
Was raten Sie jemandem, der vor dieser Wahl steht?
Ich halte wenig von Faustregeln, dafür ist die Ausgangslage zu individuell. Ich begleite Menschen, die sich bewusst für die volle Auszahlung entschieden haben, und andere, die ebenso bewusst die volle Rente wählen. Entscheidend ist nicht die Aufteilung, sondern dass vorher durchgerechnet wurde: Wie lange muss das Geld reichen, wie viel darf pro Jahr entnommen werden – und was passiert, wenn die Börse ausgerechnet in den ersten Jahren schwach ist?
Pensionsplanung und digitaler Nachlass: Infoanlass in Zürich
Benjamin Ludwig ist Spezialist für Finanz- und Pensionsplanungen bei der Zurich. An einem Infoanlass in Zürich beantwortet er Ihre Fragen rund um die Altersvorsorge. Zudem geht es beim Event um das Thema digitaler Nachlass.
Die Teilnahme ist kostenlos, doch die Anzahl der Plätze ist beschränkt.
Wann: Mittwoch, 21. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Wo: Hauptsitz der Zurich Schweiz an der Hagenholzstrasse 60 in 8050 Zürich (Oerlikon).
Klicken Sie für die Anmeldung auf den Button
Jetzt anmeldenWarum sind gerade die ersten Jahre so heikel?
Weil zwei Dinge zusammenkommen: Der Wert des Vermögens sinkt, und gleichzeitig wird Geld daraus entnommen. Was in dieser Phase abfliesst, kann an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Zwei Menschen mit gleichem Kapital und gleicher Entnahme können deshalb ganz unterschiedlich dastehen – nur weil die guten und die schlechten Börsenjahre in anderer Reihenfolge kamen. Diesen Fall einmal in Ruhe durchzurechnen, lohnt sich vor jedem Entscheid.
Und der persönliche Teil der Entscheidung?
Der ist mindestens so wichtig. Wer sein Budget im Griff hat und einen klaren Plan verfolgt, findet in der Auszahlung oft den passenderen Weg – mit Vorteilen bei Flexibilität, Steuern und im Erbfall. Wer sich nicht jahrzehntelang darum kümmern möchte, ist mit einem garantierten, lebenslangen Einkommen besser aufgehoben. Beides ist völlig legitim. Diese Frage gemeinsam ehrlich zu beantworten, ist oft wertvoller als jede Renditediskussion.
Der Leitzins liegt bei null Prozent. Was heisst das für jemanden, der sein Kapital bezogen hat?
Auf dem Sparkonto passiert derzeit schlicht nichts, und weil die Preise weiter leicht steigen, verliert das Geld dort langsam an Kaufkraft. Es liegt also nahe, einen Teil anzulegen – nur:
Welche Rendite braucht es überhaupt? Genau jene, die Ihr eigener Plan verlangt. Ich rechne dafür mit drei Grössen: vorhandenes Kapital, jährliche Entnahme, Zeitraum. Der eine kommt mit einem Prozent aus, der andere bräuchte fünf.
Man hört oft, es genüge, etwas über der Teuerung zu liegen.
Das finde ich wenig hilfreich. Die Inflation zu schlagen heisst nur, dass ein Franken in zehn Jahren gleich viel wert ist wie heute – ob das Vermögen bis zum Schluss reicht, sagt es nicht. Und wenn die nötige Rendite unrealistisch hoch ausfällt, ist das kein Anlage-, sondern ein Planungsproblem: Dann schauen wir uns gemeinsam die Entnahme an, statt das Risiko zu erhöhen. Es gibt keine Rendite, die eine unrealistische Entnahmeplanung rettet.
Ein Thema, das viele gerade jetzt beschäftigt, ist das Wohnen im Alter.
Zu Recht, denn bei vielen Menschen ist das Wohnen der grösste Posten im Budget – ob als Miete oder als Hypothek. Mit dem beschlossenen Wegfall des Eigenmietwerts entfällt künftig auch der Abzug der Schuldzinsen, und entsprechend viele fragen sich nun, ob sie ihre Hypothek zurückzahlen sollen.
Ich erlebe, dass dieser Entscheid oft sehr schnell fällt. Allerdings sollte man sich fundiert damit auseinandersetzen und Folgendes beachten: Wer Geld in die Rückzahlung steckt, hat es später nicht mehr zur Verfügung, und die Hypothek nach der Pensionierung wieder zu erhöhen, ist deutlich schwieriger als vorher. In vielen Fällen ist verfügbare Liquidität wichtiger als eine tiefere Hypothek.
Zum Schluss: Was wird bei der Auszahlung am häufigsten übersehen?
Das eigene lange Leben. Wer heute mit 65 aufhört, hat statistisch noch rund 21 Jahre vor sich, als Frau gut 23 – und rechnet im Kopf oft bis 86 oder 88. Nur sagt ein Durchschnitt nichts darüber, wo Sie persönlich landen werden: Sehr viele erreichen 90 und mehr, und bei einem Ehepaar zählt ohnehin, wer von beiden länger lebt. Das Geld muss also 25 bis 30 Jahre tragen.
Zwei Punkte kommen dabei erfahrungsgemäss zu kurz: das Erbrecht und die Steuern – bezogenes Kapital wird Teil des Nachlasses und ist danach jedes Jahr als Vermögen und über seine Erträge steuerbar. Die Auszahlung ist eine sehr gute Lösung, wenn ein Plan dahintersteht. Genau diesen Plan möchte ich am Anlass gemeinsam mit Ihnen anschauen.
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Füllen Sie das unten stehende Formular aus, wenn Sie beim Infoanlass mit Benjamin Ludwig dabei sein möchten. Wir freuen uns auf Sie.