Halbprivate und private Zusatzversicherungen: ein finanzieller Albtraum im Alter?
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Halbprivate und private Zusatzversicherungen: ein finanzieller Albtraum im Alter?

Die Krankenkassenprämien in der Grundversicherung dürften 2023 stark steigen. Der Aufschrei wird gross sein. Nicht diskutiert wird über die Prämienentwicklung in den Spitalzusatzversicherungen Halbprivat und Privat. Dies kann im Alter zu einer Belastung von über 1000 Franken pro Monat führen.

Etwa 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben eine private oder halbprivate Spitalzusatzversicherung . Im Alter kann diese richtig teuer sein. (Keystone)Etwa 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben eine private oder halbprivate Spitalzusatzversicherung . Im Alter kann diese richtig teuer sein. (Keystone)
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Otto Bitterli am 27.6.2022

Das politische Säbelrasseln um die Krankenkassenprämien hat begonnen: Zwischen 5 und 10 Prozent Erhöhung sind in der Grundversicherung für das nächste Jahr angekündigt. Natürlich ist dies ärgerlich und führt zu unzähligen Diskussionen und Medienberichten.
Was dabei jedoch vergessen geht, ist der Prämienanstieg der halbprivaten und privaten Spitalzusatzversicherungen mit zunehmendem Alter. Und dieser kann für ältere Personen viel stärker ins Gewicht fallen als die Anpassungen der Grundversicherung (vgl. Beispiel unten).

Lohnt sich der finanzielle Mehraufwand?

Auch der Autor dieses Textes (59) hat festgestellt, dass er jedes Jahr gut 3000 Franken für die Grundversicherung und fast 6000 Franken für die Zusatzversicherungen bezahlt.
Er gehört zu den ca. 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer (1.5 Millionen Menschen), die eine private oder halbprivate Spitalzusatzversicherung abgeschlossen haben.

Über den Autor

Otto Bitterli (59) ist Verwaltungsratspräsident bei Helvetic Care und selbstständiger Berater im Gesundheitswesen. Von 2005 bis 2019 war er CEO und Verwaltungsratspräsident der Sanitas Krankenversicherung.
Bei Spitalaufenthalten profitiert man mit diesen etwa von der freien Spital- und Arztwahl, von der Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer oder einer Behandlung durch den Beleg-, Ober- oder Chefarzt.
Zudem - und das dürfte für viele «gefühlt» ein gewichtiger Grund sein - kann man mit einer derartigen Versicherung der Maschinerie des Gesundheitswesens (des Obligatoriums) entfliehen.
Doch wie stehen diese zusätzlichen Leistungen im Verhältnis zum finanziellen Mehraufwand im Alter? Schauen wir mal folgendes Zahlenbeispiel an:

Alle fünf Jahre steigt die Prämie um 100 bis 200 Franken (ohne Teuerung)

Eine Bekannte des Autors hat eine private Spitalzusatzversicherung. Sie ist gerade 60 Jahre alt geworden und musste in ihrem weltweit gültigen Privatprodukt einen sogenannten Prämiensprung von 330 auf 500 Franken pro Monat hinnehmen. Die betroffene Person hat die weitere Entwicklung der Prämie (ohne allfällige Teuerung) beim Versicherer eingefordert. Sie entwickelt sich mit dem Alter wie folgt:
Alter
Monatliche Prämie
55
CHF 330.-
60
CHF 500.-
65
CHF 650.-
70
CHF 750.-
75
CHF 900.-
80
CHF 1050.-
85
CHF 1150.-
Danach bleibt die Prämie mehr oder weniger konstant und sinkt im Alter von 95 wieder leicht.
Der monatliche Prämienunterschied beträgt also zwischen dem 55. und 85. Geburtstag 820 Franken oder 9840 Franken pro Jahr.
Oder anders gerechnet: Erreicht die Bekannte eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84 Jahren, zahlt sie ab Mitte 50 insgesamt rund 240‘000 Franken für ihre private Spitalzusatzversicherung.

Es fehlt an Transparenz

Ist eine solch hohe Prämie gerechtfertigt und kann ich mir die zusätzliche Versicherung nach der Pensionierung überhaupt noch leisten? Schliesslich sind die Einnahmen im Alter meistens geringer. Da ist es sinnvoll, wenn man seine künftigen Ausgaben kennt. Nur so kann man vernünftige Entscheide fällen.
Doch die Informationen zu den Halbprivat- und Privatversicherungen sind leider alles andere als transparent. Möchte man die Prämienentwicklung schwarz auf weiss, muss man diese erst bei den Kassen einfordern – oft ist mehrmaliges Nachhaken nötig.

Helvetic Care nimmt sich dem Thema an

Weil wir von Helvetic Care uns mehr Transparenz wünschen, werden wir dieses Thema in den nächsten Monaten von verschiedenen Seiten her beleuchten und eine Übersicht der Prämienentwicklungen im Alter erstellen.
Ebenfalls möchten wir für die Versicherten mögliche Alternativen aufzeigen. So wissen unsere Leserinnen und Leser vor dem Kündigungstermin Ende September hoffentlich mehr und können bewusster entscheiden.

Transparenz lohnt sich auch für die Jungen

Übrigens: Finanzielle Transparenz lohnt sich nicht nur bei älteren Menschen, sondern insbesondere auch für jüngere Leserinnen und Leser. Je früher Sie einen Entscheid fällen, umso mehr finanzielle Mittel können Sie richtig einsetzen.
Denn an sich ist es schade, wenn man die Versicherung aus finanziellen Gründen kurz vor der Pensionierung kündigen muss. Statistisch gesehen braucht man sie dann nämlich am meisten.

Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach

Möchten Sie wissen, wie sich die Prämie Ihrer halbprivaten und privaten Spitalzusatzversicherung entwickelt? Dann fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach.
Eine Vorlage des Mails erhalten Sie, wenn Sie auf den jeweiligen Link Ihrer Krankenkasse klicken. Ein vorgeschriebenes Mail öffnet sich in Ihrer Mail-Applikation und Sie brauchen nur noch auf «Senden» klicken.
Falls Sie uns Ihre Entwicklung per Mail zustellen, dann werden wir eine Übersicht über die unterschiedlichen Entwicklungen pro Versicherer publizieren, sodass Sie sich künftig direkt bei helveticcare.ch informieren können. Schreiben Sie uns.

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