«Ohne BVG-Reform verschieben sich die Probleme in die Zukunft»
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«Ohne BVG-Reform verschieben sich die Probleme in die Zukunft»

Die berufliche Vorsorge hat ein Problem. Deshalb beschäftigt sich der Nationalrat diese Woche mit der BVG-Reform. Doch was bedeutet das genau für die Versicherten und Versicherungen? Fünf Fragen an Patric Olivier Zbinden von der Baloise.

Patric Olivier Zbinden ist bei der Baloise Leiter Unternehmenskunden und Mitglied der Geschäftsleitung des Konzernbereichs Schweiz. Patric Olivier Zbinden ist bei der Baloise Leiter Unternehmenskunden und Mitglied der Geschäftsleitung des Konzernbereichs Schweiz.
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Bâloise am 6.12.2021

1. Was diskutiert der Nationalrat genau in dieser Wintersession?

Patric Olivier Zbinden*: Es geht um die Zukunftsfähigkeit des Dreisäulen-Modells der Schweizer Altersvorsorge. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung Vertrauen in alle drei Säulen hat und dazu gehört auch eine starke AHV. Hier gilt es die steigende Lebenserwartung in Einklang mit den Leistungen zu bringen. So soll das Rentenalter der Frau an jenes der Männer angeglichen werden. Als Anbieter der Beruflichen Vorsorge interessiert uns aber vor allem die Diskussion um das BVG – also die zweite Säule der Altersvorsorge.
Baloise
Die voraussichtlich am 7. und 8. Dezember 2021 diskutierte BVG-Reform berücksichtigt die angesichts der Ausgangslage zwingenden Elemente:
  • Senkung des Umwandlungssatzes zur Berechnung der Jahresrente von 6,8 auf 6,0 Prozent
  • Kompensationsmassnahmen für die Übergangsgeneration
  • Einführung eines Beitrags zur Finanzierung des Ausgleichs von Rentenumwandlungsverlusten
Zudem erfüllt sie das Ziel der Beibehaltung des Leistungsniveaus und die Verbesserung der Leistungen für BVG-minimal und BVG-nah versicherte Personen in systemkonformer Weise.

Was wären die Konsequenzen für die Kunden der Baloise, wenn man nichts macht?

Wenn wir keine Reform zu Stande bringen, verschieben sich die Probleme einfach weiter in die Zukunft. Gerade die jüngeren Generationen wären doppelt bestraft. Sie finanzieren heute im BVG bereits die laufenden Renten aufgrund des zu hohen Umwandlungssatzes. Das führt aber auch dazu, dass je länger das Problem verschoben wird, künftige Rentnerinnen und Rentner mit noch einschneidenderen Massnahmen bei einer Reform rechnen müssten. Zudem wird das Vertrauen schwinden, dass die regulatorisch zu hohen Rentenversprechen je eingehalten werden können. Das will niemand von uns.

3. Wie ist die Baloise von der Reform betroffen?

In den letzten Jahren sind viele Gesellschaften aus der Vollversicherung ausgestiegen. Die Baloise ist eine von noch fünf Gesellschaften, welche die berufliche Vorsorge im Vollversicherungsmodell anbietet. Mit anderen Worten: Wir tragen für die Versicherten die Risiken einer Unterdeckung. Um diese - gerade von KMU – nachgefragte Lösung aber auch in Zukunft anbieten zu können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen, weshalb die Reform enorm wichtig ist.

4. Auf welches Ergebnis hoffen Sie?

Wir hoffen, dass die Mehrheitsanträge aus der vorberatenden Kommission des Nationalrates eine Mehrheit finden. Weder darf die Vorlage mit Massnahmen ausgebaut werden, welche die Reform schliesslich verteuert, noch dürfen weitere regulatorische Hürden für die privaten Anbieter der zweiten Säule eingebaut werden. Dies würde das Geschäft weiter unattraktiv machen.

5. Sollte es anders kommen: Ist dann die Weihnachtszeit für Sie im Eimer?

Ich bin grundsätzlich positiv gestimmt, dass wir einen wichtigen Schritt in der Reform der Altersvorsorge machen werden. Ich bin zudem zu lange im Geschäft mit dabei, als dass mich kurzfristige Umwege aus der Bahn werfen. Wir arbeiten nun seit mehr als zehn Jahren an der Reform der Altersvorsorge und insbesondere an der Senkung des Umwandlungssatzes. Die Zeit drängt und ich denke, wir sind im Schlussspurt, um die Zukunftsfähigkeit des BVG zu sichern.

Über Patric Olivier Zbinden

*Patric Olivier Zbinden (45) ist seit 2017 bei der Baloise Leiter Unternehmenskunden und Mitglied der Geschäftsleitung des Konzernbereichs Schweiz. Er studierte an der Universität Fribourg Rechtswissenschaften (Master of Law), absolvierte an der Universität Bern den Executive Master of Business Administration (EMBA) und erlangte an der University of Rochester New York den Master of Business Administration (MBA) mit Schwerpunkt in Finance.
2003 startete er seine Laufbahn bei den Basler Versicherungen als Rechtsberater im Bereich Personenversicherung Unternehmen. Von 2007 bis 2011 leitete er das Produktmanagement Haftpflicht Unternehmenskunden. Ab 2011 war er als Leiter Produktmanagement Kollektiv-Leben für die grösste Versicherungsbranche der Baloise Group verantwortlich. Parallel dazu leitete er ab 2007 den Rechtsdienst des Produktmanagements. Patric Olivier Zbinden ist verheiratet und Vater einer Tochter.


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