HomearrowFinanzen

Armutsgefahr? Wie Frau geschickt fürs Alter vorsorgt

Teilzeitarbeit oder berufliche Pausen: Aus solchen Gründen können Frauen oft weniger fürs Alter ansparen. Wie sie sich trotzdem eine ordentliche Vorsorge aufbauen können und was ein Budgetplan kurz vor der Pensionierung bringt, verrät Baloise-Vorsorgeberaterin Monika Locher Stäheli.

Frauen sollten sich am besten eigenverantwortlich um ihre Vorsorge kümmern, um im Alter gut abgesichert zu sein. Frauen sollten sich am besten eigenverantwortlich um ihre Vorsorge kümmern, um im Alter gut abgesichert zu sein.
image

Baloise am 24.6.2022

Armutsgefahr im Alter. Trifft das auf viele Frauen in der Schweiz zu? Monika Locher Stäheli: Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Altersarmut bei Frauen eher gering. Trotzdem sind sie vermehrt davon betroffen als Männer.
Warum? Sie arbeiten häufiger in Teilzeit, in schlechter bezahlten Jobs oder bleiben für längere Zeit zu Hause, weil sie Kinder betreuen. Allenfalls steigen sie mit einem Teilzeitpensum später wieder ein und können dadurch etwas in ihre Altersvorsorge einzahlen. Trotzdem sind sie oft gar nicht bei einer Pensionskasse versichert. Studien* sprechen davon, dass Frauen durchschnittlich etwa 67 Prozent weniger Einkommen aus der Pensionskasse als Männer haben. Bei der AHV ist der Unterschied viel kleiner.
Das ist ein grosser Unterschied in der 2. Säule. Was kann man als Frau dagegen tun? Frauen sollten sich eigenverantwortlich um Ihre Altersvorsorge kümmern. Am sinnvollsten ist es, möglichst früh zu beginnen, auch privat vorzusorgen (Säule 3a) – am besten schon nach dem 18. Geburtstag, sobald ein AHV- und steuerpflichtiges Einkommen vorhanden ist. Durch die frühzeitige Einzahlung kann man länger von den Zinserträgen respektive möglichen Wertentwicklungen bei den Wertschriften profitieren.
Hilft es, wenn eine Frau nach der Gründung einer Familie im Berufsleben integriert bleibt und «reicht» da bereits ein Teilzeitpensum? Sicher ist das hilfreich. Heutzutage sind unterschiedliche Konstellationen denkbar, die einer Frau ermöglichen, im Berufsleben tätig zu bleiben.
Um in die Pensionskasse einzahlen zu können, muss die Person, die Teilzeit arbeitet, mindestens 21'510 Franken im Jahr verdienen (Eintrittsschwelle 2021). Wer noch zusätzlich in die private Altersvorsorge einzahlt, kann die spätere Rente weiter erhöhen.
Allerdings ist das Finanzielle nicht alles. Schlussendlich muss es zur persönlichen Lebenssituation passen und dem Wunsch des Paares entsprechen.
Und was raten Sie, wenn eine Frau für längere Zeit eine berufliche Pause macht? Die Lücken kann sie teilweise mit Einkäufen in die Pensionskasse und dem Abschluss einer 3. Säule schliessen, wenn sie ihre Berufstätigkeit wieder aufnimmt. Bei einer beruflichen Pause empfehle ich auch, dass der arbeitende Partner in die Altersvorsorge der Frau einzahlt – etwa in die Säule 3b.
Bei ihren Pensionsplanungen sind viele Kunden kurz vor dem Rentenalter. Langfristig sparen ist dann nicht mehr möglich. In einer solchen Situation kann man mit Einkäufen in die Pensionskasse die Rente aufstocken. Einen längerfristigen Sparplan abzuschliessen, ist dann nicht mehr sinnvoll.
Viel wichtiger ist es an diesem Punkt, einen Budgetplan zu erstellen. Also zu schauen, wie hoch die monatlichen Einnahmen und Ausgaben nach der Pensionierung sind.

Über Monika Locher Stäheli und die Pensionsplanung

image
Monika Locher Stäheli arbeitet bei der Baloise als Pensions- und Finanzberaterin. Unter anderem bietet sie Pensionsplanungen für 750 Franken an, die in der Regel 1 bis 5 Jahre vor der Pensionierung stattfinden. An den Beratungsterminen geht es unter anderem um folgende Themen:
  • Analyse der Pensionierungssituation
  • Erarbeiten von Pensionierungsmassnahmen mit Empfehlungen und Massnahmenplan
  • Zeitpunkt der Pensionierung
  • Entscheid Rente oder Kapital aus der Pensionskasse
  • Plan zum Beziehen der Vorsorgegelder
  • Tragbarkeit der Wohnkosten im Alter
  • Absicherung des Lebenspartners
Jetzt Beratung anfragen

Und wenn es nicht reicht? Dann muss man schauen, wo man sparen kann. So kann man z. B. weniger Ferien machen, in eine kleinere Wohnung ziehen oder das Auto verkaufen. Solche Schritte sind oft schmerzhaft, aber manchmal nötig. In einigen Situationen kann auch durch den Verkauf von Wohneigentum finanzieller Spielraum geschaffen werden. Wobei man aber bedenken muss, dass man dann Miete zahlen muss.
Sie beraten oft Kundinnen um die 60 Jahre. Wie erleben Sie jüngere Frauen im Vergleich zu der älteren Generation? Tendenziell sind jüngere Frauen finanziell unabhängiger und oft besser ausgebildet. Sie arbeiten auch meistens weiter, wenn sie eine Familie gründen. Früher blieben die Frauen viel häufiger ganz zu Hause.
Was bedeutet das für die Frauen, die kurz vor der Pension stehen? Das traditionelle Modell ist nicht schlecht. Man kann auch mit einem Einkommen eine gute Altersvorsorge aufbauen. Wichtig ist hierbei, die individuelle Situation zusammen zu analysieren. Bei einer Pensionsplanung kläre ich offene Fragen und schaffe die Grundlage, damit wichtige Entscheide getroffen werden können. Dazu gehören etwa der Zeitpunkt der Pensionierung oder die Frage nach dem Kapital- oder Rentenbezug aus der Pensionskasse.
* Studie zu den Unterschieden der Altersrenten von Frauen und Männern (Gender Pension Gap) der Berner Fachhochschule im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen und des eidg. Büros für Gleichstellung.

Tags

  • Gastbeitrag
  • Pensionierung
  • Finanzen
  • Altersvorsorge
  • Budget
  • Experten-Tipp
  • Sparen