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Energiekrise? «Für die Jungen werden die Massnahmen viel einschneidender sein als für uns Alten»

Es droht eine Energiekrise. Strom, Benzin und Gas werden teurer. Der Bundesrat ruft zum Sparen auf und mit Gas beheizte Wohnungen sollen im Extremfall maximal 19 Grad warm sein. Wie gehen ältere Menschen damit um? Eine Seniorin und ein Senior erzählen.

Der aktiven Schauspielerin Vreni Brun geben die gegenwärtigen Entwicklungen zu denken (Bild: Christine Strub).Der aktiven Schauspielerin Vreni Brun geben die gegenwärtigen Entwicklungen zu denken (Bild: Christine Strub).
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Maja Sommerhalder, Helvetic Care am 8.9.2022

Vreni Brun (83), Schauspielerin

«Energiesparen ist für mich nicht neu – das mache ich schon mein ganzes Leben. So dusche ich lieber, als dass ich ein Vollbad nehme oder lasse das Licht nicht unnötig brennen.
Der sparsame Umgang mit unseren Ressourcen liegt an meiner Erziehung. Ich stamme aus einer armen Familie. Wir sassen oft bei Kerzenschein zusammen, weil der Strom zu teuer war. Auch konnten wir lediglich unsere Küche und unsere Stube mit einem Holzofen beheizen. An den Fenstern bildeten sich Eisblumen und ich fror in den harten Wintern oft. Auch gab die Kleidung nicht so warm wie die heutige.

Bei 19 Grad ist noch niemand erfroren

Natürlich war dieses Frieren nicht angenehm, aber ich kannte es ja nicht anders. An kalten Tagen sass die ganze Familie einfach auf der Ofenbank und sang zusammen. Das hatte auch etwas sehr Gemütliches.
Deshalb machen mir die angekündigten Energiesparmassnahmen auch keine Angst. Bei Raumtemperaturen von 19 Grad ist noch niemand erfroren. Man muss sich einfach wärmer anziehen und eine Decke nehmen, wenn man sich nicht bewegt. Vieles ist auch eine Gewohnheitssache.
Allgemein schadet es auch nichts, wenn man Energie spart. So können wir auch etwas gegen die Klimaerwärmung tun.
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Vreni Brun ist mit über 80 als Schauspielerin und Model aktiv. Bild: Christine Strub

Vor allem für die Jungen müssen die Massnahmen einschneidend sein

Ich denke aber nicht, dass wir uns im kommenden Winter allzu sehr einschränken müssen. Die Schweiz ist gut vorbereitet und die Speicher sind gefüllt. Trotzdem geben die Entwicklungen zu denken, vor allem für die Jungen müssen die angekündigten Massnahmen einschneidend sein. Sie waren in ihrem Leben im Gegensatz zu uns Seniorinnen und Senioren noch nie mit sowas konfrontiert.
Einen grösseren Einfluss auf viele ältere Menschen haben die derzeit stark steigenden Preise. Bereits heute haben viele Pensionierte nur eine kleine Rente und leben am Rande des Existenzminimums – insbesondere Frauen. Sie wird die Inflation besonders hart treffen.
Mir persönlich geht es finanziell gut, aber auch ich werde wohl etwas mehr auf meine Ausgaben schauen. Das macht mir aber nichts. Luxus war für mich noch nie wichtig.»
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Peter Mäder (66), eidg. dipl. Meister für Schaltanlagen im Ruhestand

«Die angekündigten Massnahmen des Bundesrats halte ich für eine Frechheit. Eine Raumtemperatur von 19 Grad ist alles andere als angenehm. Und überhaupt: Wer soll das kontrollieren? Da bringt es mehr bei anderen Bereichen zu sparen: etwa bei der Strassenbeleuchtung oder bei der Leuchtreklame.
Das Thema Energie beschäftigt mich schon seit 30 Jahren, schliesslich habe ich in diesem Sektor gearbeitet. Leider haben wir die gegenwärtigen Probleme auch selbst zu verantworten. Haben wir doch den Strom aus dem Ausland bezogen, statt die heimische Produktion zu fördern. Es hiess in der Vergangenheit immer, dass Kraftwerke in der Schweiz nicht rentabel seien, aber man hat auch nie einen Wettbewerb zugelassen. Im Energiesektor gibt es zu viele heilige Kühe.

Solaranlage gibt ein gutes Gefühl

Deshalb habe ich mein Dach vor 4 Jahren mit einer Solaranlage ausgestattet. Das empfehle ich jedem, auch wenn es natürlich Jahre dauert, bis die Anlage amortisiert ist. Alles in allem spare ich dadurch viel Strom, vor allem in den Sommermonaten. Auch fallen dadurch beim Aufladen meines Elektroautos für mich keine Zusatzkosten an.
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Dank der Solaranlage spart Peter Mäder viel Strom.
Natürlich ist Solarstrom nicht die alleinige Lösung. Aber gerade jetzt, bei der drohenden Energiekrise tut es gut, nicht ganz so abhängig zu sein. Die kommenden Monate machen wir aber keine Angst. Ich halte das alles für Panikmache. Die Schweiz verfügt derzeit über genügend Ressourcen.

Unsere Generation ist mit dem Energiesparen aufgewachsen

Sicher tut Energiesparen jedem gut. Unsere Generation ist damit aufgewachsen. Trotzdem ist es auch eine Tatsache, dass wir in Zukunft den ganzen Energiebedarf nicht mehr decken können – unabhängig von der gegenwärtigen Krise.
Es wäre deshalb dringend nötig, über neue Energiequellen nachzudenken. Dazu gehören sicher alternative Energien, aber auch Atomkraft. Heutige Atomkraftwerke sind sehr sicher, auch wenn es natürlich immer ein Restrisiko gibt. Aber ein Risiko gibt es bei jeder Art von Energiegewinnung.»

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