Neue Freiheit für die Schulter – wann eine Prothese sinnvoll ist
Wenn Schmerzen zum ständigen Begleiter werden und jede Bewegung mühsam ist, kann eine Schultergelenksprothese neue Lebensqualität schenken. Doch wann ist eine Prothese wirklich nötig? Ein Spezialist klärt in einem Podcast auf.

Wann braucht es eine Schulterprothese?
Laut Dr. Matthias Flury, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats an der Privatklinik Bethanien, gibt es zwei Hauptgründe für eine Schulterprothese:
- Arthrose: Der Gelenkknorpel ist abgenutzt, Knochen reibt auf Knochen, es kommt zu Schmerzen und Steifigkeit.
- Instabilität: Insbesondere durch Schäden der Sehnen (Rotatorenmanschette) oder nach Unfällen, wenn sich das Gelenk nicht mehr anders stabilisieren lässt.
Eine Prothese ist aber immer der letzte Schritt, wie der Schulterspezialist in einem Podcast klarstellt. Zuerst werden Schmerzmittel, Infiltrationen, Physiotherapie und gelenkserhaltende Eingriffe ausgeschöpft.
Die Diagnose stützt sich auf die Befragung, die klinische Untersuchung sowie Bildgebung (Röntgen, MRI, manchmal CT). Daraus entsteht ein Gesamtbild, das zur Therapieentscheidung führt.
Anatomisch oder invers – zwei Prothesenarten
Heute werden vor allem zwei Prothesentypen eingesetzt:
- Anatomische Schulterprothese: ahmt den natürlichen Gelenkaufbau nach. Sie kommt zum Einsatz, wenn das Gelenk grundsätzlich stabil ist und die Sehnen noch funktionieren.
- Inverse (Umkehr-)Prothese: dreht das Gelenkprinzip um und nutzt andere Kraftverhältnisse. Sie wird eingesetzt, wenn die Rotatorenmanschette geschädigt ist und das Gelenk sonst nicht mehr stabil geführt werden kann.
Die Implantate sind modular aufgebaut – wie ein Baukastensystem. Auf Basis von Röntgen- und CT-Bildern kann die passende Grösse im Voraus geplant werden. Teile, die am Knochen anliegen, bestehen meist aus Titan, die Gleitflächen aus Metall und Kunststoff.
Operation, Reha und Haltbarkeit
Die Operation erfolgt in der Regel in Vollnarkose. Je nach Ausgangslage dauert sie etwa eine bis drei Stunden. Der Hautschnitt ist heute meist rund zehn Zentimeter lang – so klein wie möglich, aber so gross wie nötig, um die Implantate sicher einsetzen zu können.
Ein Vorteil: Die Prothese ist direkt nach der OP bewegungsstabil. Die Schulter darf früh mobilisiert werden, jedoch nach klaren Vorgaben. Physiotherapie ist zentral, um Beweglichkeit und Kraft wieder aufzubauen.
Wie lange es dauert, bis die Schulter wieder voll belastbar ist und auf welche Sportarten Sie mit Prothese verzichten sollten, erfahren Sie im Podcast.
Prävention und Prognose
Der Facharzt für Schulterprothese Dr. med. Matthias Flury von der Privatklinik Bethanien verrät auch, wie lange Schulterprothesen funktionieren und welche Komplikationen auftreten können.
Und: Das Risiko von Schulterproblemen lässt sich reduzieren. Die beste Prävention ist ein gut trainierter Schultergürtel: kräftige, koordinierte Muskulatur entlastet das Gelenk und verringert die Abnutzung. Regelmässige Bewegung, gezieltes Krafttraining und das Vermeiden wiederholter Überlastungen helfen, die Schulter möglichst lange gesund zu erhalten.