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Medizinische Fusspflege (2022): Mehr als Wellness für Zehen und Sohlen

Wenn Ihnen beim Gehen die Füsse wehtun, der Schuh auf einmal zu eng ist, die Zehennägel immer wieder einwachsen oder Hühneraugen und Fusspilz Sie quälen, sollten Sie einen Podologen aufsuchen. Er kann Ihnen die unangenehmen Beschwerden lindern.

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Helvetic Care am 28.10.2022


Das Wichtigste in Kürze

  • Die Podologie befasst sich mit der Heilung von krankhaften Veränderungen an den Füssen.
  • Dazu gehören Hühneraugen, Nagelpilz, eingewachsene Zehennägel oder der diabetische Fuss.
  • Bei Diabetes mellitus sollten Sie eine Podologin oder einen Podologen aufsuchen, da die Haut besonders anfällig für Verletzungen ist.
  • In der podologischen Praxis werden die Beschwerden u.a. mit Hornhautabtragungen, Druckentlastung oder Massagen therapiert.
  • In einigen Fällen werden die Kosten der Behandlung von den Krankenkassen übernommen.

Das Wort Podologie kommt aus dem Griechischen. Podos bedeutet der Fuss, Logie bedeutet Lehre. Podologie ist also die Lehre vom Fuss und steht für nichtärztliche Heilkunde. Um als Podologe/in oder medizinische/r Fusspfleger/in tätig werden zu können, bedarf es einer dreijährigen Berufslehre und eines Abschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ).
Eine Weiterbildung zu/r dipl. Podolog/in ist möglich (HF). Sie unterstehen der kantonalen Gesundheitsgesetzgebung und deren Verordnungen. Als Gesundheitsfachkräfte benötigen sie für die Berufsausübung eine Bewilligung des jeweils kantonalen Gesundheitsamtes.

Bitte nicht verwechseln

Man sollte die med. Fusspflege oder die Podologie nicht mit der kosmetischen Fusspflege verwechseln. Bei dieser ist eine geregelte Ausbildung nicht nötig. Sie wird nur für die pflegerische oder dekorative Manipulation an gesunden Füssen angewandt. Sie dürfen keine Hornhaut abtragen, Hühneraugen entfernen oder eingewachsene Zehennägel behandeln, sondern nur im kosmetischen Bereich tätig werden.

Was bedeutet Fusspflege genau?

Die Podologie befasst sich mit der Heilung von krankhaften Veränderungen an den Füssen insgesamt. Ebenso werden vorbeugende und lindernde Therapien durchgeführt. Zum Beispiel bei:
  • Geschädigten Nerven oder Blutgefässen (z.B. diabetischer Fuss, dazu später mehr).
  • Krankhaft verdickter Hornhaut (Hühnerauge).
  • Erkrankungen der Fussnägel (Nagelverlust, Verdickung).
  • Fehlstellungen der Zehen.
  • Eingewachsene Zehennägeln.
  • Nagelmykosen (Nagelpilzen)
  • Diffuse Schmerzen im Fussbereich
Zur Therapie gehört die Anamnese, also die Aufnahme der Patientendaten, und eine umfassende Beratung zu allen Themen rund um die Fussgesundheit.

Darum ist «Nachsehen» so wichtig

Im Laufe eines langen Lebens haben die Füsse so manche Last getragen, dies macht sich dann häufig negativ bemerkbar. Zu einer der häufigsten Erkrankungen ab einem Alter von 50 gehört Diabetes mellitus, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt. Hier nimmt oft die Druck- und Schmerzempfindlichkeit in den Füssen ab. Dadurch werden kleine Wunden nicht bemerkt und somit nicht behandelt. Oft entsteht dann der gefürchtet diabetische Fuss oder das diabetische Fusssyndrom. Im vorangeschrittenen Alter ist eine eingehende Fusskontrolle aufgrund von Bewegungseinschränkungen oft nicht möglich. Hier hilft ein regelmässiger Besuch einer podologischen Praxis.
Zu empfehlen ist, dass der Partner, die Partnerin oder Angehörige, die Füsse von Menschen mit Bewegungseinschränkung, regelmässig auf Verletzungen überprüfen.

Wie entsteht ein diabetischer Fuss?

In der Regel ist die Ursache für einen diabetischen Fuss, ein jahrelanger erhöhter Blutzucker. Der Zuckerüberschuss schädigt im Laufe der Zeit Nervenbahnen und Blutgefässe. Ist hauptsächlich die Durchblutung gestört, sprechen wir vom ischämisches diabetisches Fusssyndrom. Sind hauptsächlich die Nervenbahnen geschädigt, liegt ein neuropathisches diabetisches Fusssyndrom vor. Beim gemischten diabetischen Fusssyndrom liegen beide Ursachen vor.

Spezialisten arbeiten Hand in Hand

Wie schon erwähnt bemerkt der Betroffene den diabetischen Fuss oft zu spät oder gar nicht. Manchmal herrscht auch der Gedanke vor, «es tut nicht weh, dann wird es wohl wieder weggehen». Leider wird eine Behandlung dadurch oft erschwert.
Steht die Diagnose auf diabetisches Fusssyndrom, arbeiten mehrere Spezialisten Hand in Hand. Der Arzt stellt den Blutzuckerspiegel ein und kümmert sich um eine eventuelle Wundversorgung. Dann stellt er eine Verordnung zur Vorstellung in einer podologischen Praxis aus.

Wann sollte man eine podologische Praxis aufsuchen?

Es gibt einige eindeutige Signale, die zeigen, dass eine Therapie nötig sein kann. Einige Beispiele:
  • Wenn Warzen entstanden sind.
  • Wenn sich die Zehennägel in Form und Farbe stark verändert haben.
  • Immer, wenn eine Diabetes Mellitus-Erkrankung vorliegt, da die Haut dieser Patienten besonders anfällig für Wunden und Verletzungen sein können.
  • Wenn Hühneraugen entstanden sind.
  • Wenn Fusspilz vermutet wird: Dieser tritt hauptsächlich zwischen dem kleinen Zeh und dem Nachbarzeh auf. Der Pilz führt oft zu Rötungen und Rissen in der Haut. Die betroffenen Stellen schuppen sich und jucken meist stark. Die Haut ist häufig weiss verfärbt, etwas verdickt und aufgequollen.
  • Wenn Nagelpilz entstanden sein könnte: Zu Beginn wird eine Nagelpilzinfektion häufig übersehen, denn im Anfangsstadium wirkt der Nagel noch gesund, er verliert nur seinen Glanz. Mit der Zeit verfärbt sich der Nagel bräunlich, gelblich oder weisslich, die Nagelplatte verdickt sich zunehmend, der Nagel wird rissig und brüchig. Die Nagelplatte kann sich ganz oder teilweise vom Nagelbett ablösen. Es kann zur kompletten Zerstörung der Nagelplatte kommen.

Wie läuft eine medizinische Fusspflegebehandlung ab?

Sobald der Patient die podologische Praxis betritt, beginnt, unbemerkt vom Patienten, die Behandlung. Der Behandler beobachtet das Gangbild und eventuelle Schonhaltungen. So kann er sich ein erstes Bild über den Patienten machen.
Nun folgt das sogenannte Anamnesegespräch, bei diesem werden Vorerkrankungen, fussbezogene Vorbehandlungen, Operationen, Wunden, Beschwerden, Allergien und Medikamente abgefragt. Wie viel steht man pro Tag, treibt man Sport. Wenn ja, welchen und wie viel? All diese Fragen helfen dem Therapeuten, sich ein Bild zu machen.
Jetzt wird nach entsprechender Verordnung durch den überweisenden Arzt, die entsprechende Behandlung begonnen.

Diese Verfahren werden angewandt

In der podologischen Praxis werden unter anderem mit folgenden Verfahren angewandt:
  • Hornhautabtragung: Um Hautschädigungen wie Fissuren, offene Wunden und Entzündungen zu vermeiden, wird mit speziellem Werkzeug die verdickte Hornhaut entfernt.
  • Nagelbearbeitung: Durch die Beseitigung von abnormen Nagelbildungen werden Nagelverwachsungen und Verletzungen vermieden.
  • Druckentlastung mittel Silikoneinsätzen und Druckschutzverbänden.
  • Fussmassagen und Unterschenkelmassagen zur Steigerung des Wohlbefindens und als zusätzliche therapeutische Massnahme.
Tatsächlich ist es so, dass grösstenteils durch regelmässigen Besuch einer medizinischen Fusspflegepraxis eine deutliche Verbesserung eintritt. Auch die gekonnte Fusspflege gehört zum Leistungsumfang der Podologie. So bleibt auch der bewegungseingeschränkte Mensch in diesem Bereich gepflegt und dadurch selbstbestimmt und unabhängig.

Was bedeuten Nagelpflege und Fusspflege ?

Durch mannigfaltige Beschwerden ist die Fuss- und Nagelpflege oft ein vernachlässigter Teil der Körperhygiene. Demzufolge kommen hier häufig Podologen oder medizinische Fusspfleger zum Einsatz. Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass ein Podologe auch kosmetische Fusspflege anbieten darf. Der kosmetische Fusspfleger, aber in keinem Fall medizinische Fusspflege.
Zur podologischen Behandlung gehört auch, dass der Behandler den Fussnägeln besondere Aufmerksamkeit schenkt. Häufige Erkrankungen sind hier eingewachsene Zehennägel, brüchige Nägel und Fusspilz.
Durch Durchführen und erklären des richtigen Nagelschnitts, Nagelkorrekturen mittel Spangen, aber auch mit Salben und Fussbädern rückt der Podologe den Störungen zu Leibe.
Wichtig ist immer das beratende Gespräch. Viele Fusserkrankungen beruhen auf falsches Schuhwerk, auch dies erkennt der Profi und versucht Abhilfe zu schaffen.
Über mögliche Hilfsmittel wie Anziehhilfen, spezielle Langscheren und Teleskopspiegel kann der Behandler den Patienten beraten. Wichtig zu wissen ist auch, dass die medizinische Fusspflege in der Regel unblutig und schmerzfrei abläuft und ablaufen soll.

Beispiel einer podologischen Behandlung

Wenn lediglich an einer bestimmten Stelle am Fuss ein kleiner Knubbel zu fühlen ist, kann man versuchen, diesen selbst mittels Hornhautfeile zu entfernen. Diabetiker sollten aber selbst dies unterlassen. Ist der Knubbel schon zu einem Hühnerauge geworden, ist es immer ratsam einen Podologen aufzusuchen.

Nicht immer ist Selbermachen die beste Idee

Nach der bereits beschriebenen Anamnese untersucht er Ihren Fuss oder besser gesagt Ihre Füsse zunächst ganz genau. Zunächst erhalten Sie fast nie ein Fussbad, da dies die Haut austrocknet. Danach findet eine Sichtschau statt, nach dieser werden die Füsse eingehend abgetastet. Stellt der Behandler keine weiteren therapiebedürftigen Störungen fest, macht er sich an die eigentliche Hornhautentfernung.
Im ersten Schritt wird das Hühnerauge mit Salizylsäure eingeweicht. Dann wählt der medizinische Fusspfleger je nach Beschaffenheit, Stelle und Tiefe das passende Werkzeug aus. Nun wird mit Skalpell, Hautzange und/oder Fräser das Hühnerauge möglichst schonend entfernt. Oft wird eine Fuss- und Unterschenkelmassage angeboten. Im Anschluss wird die betroffene Stelle oft noch mit Salbe oder Tinktur behandelt und ein Pflaster oder Druckstellenentlastungsverband angelegt.

Mehrfachbesuche sind gelegentlich nötig

Manchmal muss diese Behandlung mehrmals in gewissen Abständen wiederholt werden, da viele Hühneraugen sich neu bilden. Die Empfehlung lautet aber ohnehin, in gewissen Abständen und regelmässig die Praxis aufzusuchen. Oft sind für diesen Umstand zu enge oder falsche Schuhe verantwortlich.
Auch dies sollte der Podologe feststellen und Sie dahin gehend beraten. Sollte eine Fussfehlstellung ursächlich sein, muss eventuell chirurgisch eingegriffen werden. Durch seine umfassende Ausbildung kann der Fachmann gefährliche Muttermale erkennen und dem Patienten einen Arztbesuch raten.

Wer bezahlt meine Behandlung?

Ihr Hausarzt kann Ihnen, sofern eine Schädigung aufgrund einer Neuropathie oder als Folge einer Querschnittslähmung eine podologische Therapie verordnen. Dies war früher nur beim diabetischen Fusssyndrom möglich.
Alle podologischen Praxen, welche mit der Krankenkasse abrechnen können, müssen von dieser zugelassen sein und bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese Hürden sind sehr hoch, so können Sie sich sicher sein, dass ein von der Krankenkasse zugelassener Fusspfleger einen enorm hohen Qualitätsstandard erfüllt. Man kann erkennen, dass die podologische Arbeit eine nicht zu unterschätzende Stellung bei der Erhaltung der Volksgesundheit einnimmt.
Alle Therapien, die nicht verordnungsfähig sind, müssen Sie aus Ihrer Tasche bezahlen. Hier kann eine private Zusatzversicherung eventuell Abhilfe schaffen.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Durch die langwierige Ausbildung und die Anforderungen, welche vorausgesetzt werden, damit sie überhaupt tätig werden dürfen, sind auch die rein kosmetischen Manipulationen am Fuss (sofern die podologische Praxis Ihrer Wahl, diese überhaupt anbietet) natürlich kostenintensiver als bei einem kosmetischen Fusspfleger.
Sie finden im Folgenden nur die Preise eines Podologen. Diese Preise sind nur ein grober Anhaltspunkt. Was Ihr Behandler letztendlich verlangt, kann sich von der Liste stark unterscheiden. Allerdings stellt die Aufzählung den ungefähren Durchschnitt dar. Ist Ihr Anbieter erheblich teurer, sollten Sie vielleicht einen Preisvergleich mit anderen Praxen in Betracht ziehen.

Durchschnittspreise in der medizinischen Fusspflege

  • Medizinische Fusspflege komplett: 100 - 140 CHF
  • Hühneraugen entfernen: 70 - 110 CHF
  • Eingewachsener Zehennagel: 70 - 100 CHF
  • Nagelpflege/Hornhautbehandlung: 70 - 100 CHF
  • Nagelprothetik oder Nagelersatz 80 - 180 CHF
Wie bereits erwähnt, bieten die meisten podologischen Praxen auch nicht medizinische Dienstleistungen an. Hierzu gehören die Fuss- und Unterschenkelmassage. Diese gehört bei vielen Anbietern dazu und sind obligatorisch.
Das Feilen und Lackieren von Nägeln ist überwiegend möglich, auch wenn es nicht zur medizinischen Therapie zählt, sondern rein kosmetische Gründe hat.

Fazit

Viele Verrichtungen des täglichen Lebens fallen vielen Menschen umso schwerer, je älter sie sind. Gerade das Bücken und/oder Knien ist oft sehr schmerzhaft oder gar nicht mehr möglich. So wird nicht nur das Anziehen zu einer grossen Hürde, auch die Körperpflege verursacht immense Probleme.
Ist es noch möglich, Oberkörper und Kopf zu waschen, stösst man bei der Reinigung der unteren Extremitäten schnell an seine Grenzen. Gerade die Füsse wollen gepflegt werden, sind aber «weit weg.» Könnte hier die kosmetische Fusspflege noch Abhilfe schaffen, wären die gewünschten Körperstellen zwar optisch und auch hygienisch wieder in einwandfreiem Zustand, aber wie sieht es mit der Fussgesundheit aus?

Manchmal wurde Diabetes noch nicht erkannt

Leider wird bei dieser Art der Pflege aber der gesundheitliche Aspekt ausser Acht gelassen. Kleine Wunde werden eventuell nicht entdeckt oder nicht beachtet. Das kann für einen Diabetiker zum Ärgernis werden. Hier muss beachtet werden, dass gerade ältere Menschen oft an noch unerkannten Diabetes leiden.

Qualität durch gute Ausbildung

Durch die in der Schweiz sehr hochgesteckten Anforderungen an die podologische Praxis und ihrer Mitarbeiter, kann man davon ausgehen, dass hier ein diabetisches Fusssyndrom schnell erkannt wird. Als Patient der Podologie hat man gepflegte und gesunde Füsse. Die stattfindende Beratung trägt ihr Übriges zur Vorbeugung und Verbesserung bei. Die in den allermeisten Praxen angebotene Fuss- und Unterschenkelmassage zum Abschluss der Fussbehandlung erhöht das Wohlbefinden ungemein.
Oft werden die Kosten der Behandlung in diesen Fällen von den Krankenkassen übernommen. Es kann also festgehalten werden, dass es durchaus möglich ist als gehandicapter Mensch schöne, gesunde und gepflegte Füsse sein Eigen zu nennen.

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